Der deutsche Unterwäschehersteller Schiesser wird israelisch. Das Unternehmen aus Radolfzell am Bodensee wird an den Konkurrenten Delta Galil mit Sitz in Tel Aviv verkauft. Als eigenständige, hundertprozentige Tochterfirma unter der Leitung des jetzigen Vorstands soll Schiesser aber als Marke fortgeführt werden.

Mit dem Verkauf an Delta Galil enden auch die Pläne für einen Börsengang Schiessers. Das für seine Feinripp-Wäsche bekannte Unternehmen hatte Anfang 2009 Insolvenz angemeldet. Hauptgrund waren unprofitable Lizenzverträge für fremde Marken wie Tommy Hilfiger oder Puma . Erst Anfang 2011 hatte sich das Unternehmen nach zwei Jahren Sanierung aus der Insolvenz befreit.

Delta Galil bringe 68 Millionen Euro an Kapital in die Schiesser AG ein, teilte das Unternehmen mit. Dem Aufsichtsratschef Volker Grub zufolge könnten mit dem Geld die Forderungen der Gläubiger erfüllt und Wachstum finanziert werden. "Wir gewinnen einen strategischen Partner, der Schiesser voranbringen kann", sagte er. Delta wolle alle 1.759 Arbeitsplätze von Schiesser, davon 536 in Deutschland, erhalten.

2010 machte Schiesser 5,1 Millionen Euro Gewinn

Nach der Insolvenz hatte Schiesser seine Produkte überarbeitet und die Vertriebsstruktur geändert: Neben dem Großhandel an Einzelhandelskonzerne setzt die Firma immer mehr auf Shop-in-Shop-Verkaufsflächen in großen Kaufhäusern und auf eigene Läden. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 2010 einen Umsatz von 124,5 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 5,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor.

Delta Galil wurde 1975 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 7.000 Menschen. Das Unternehmen produziert Unterwäsche und Socken für große Marken wie Victoria`s Secret, Hugo Boss , Tommy Hilfiger oder Nike und verkauft in Israel Wäsche unter eigenen Markennamen. Laut Bilanz 2011 setzte die Gruppe knapp 679 Millionen US-Dollar um (etwa 514 Millionen Euro). Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.