Am Freitag läuft die letzte Frist für Schlecker ab. Bis dann müssen Interessenten dem Gläubigerausschuss tragfähige Angebote für die insolvente Drogeriemarktkette vorlegen. Erachtet das Gremium keine Offerte für ausreichend, wird es voraussichtlich noch am Freitag die Abwicklung von Schlecker beschließen.

Medienberichten zufolge sollen Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen und der US-Fonds Cerberus Interesse haben. In der Gläubigerrunde spielt demnach der Kreditversicherer Euler Hermes eine wichtige Rolle, der Lieferungen von rund 300 Millionen Euro abgesichert habe, die Schlecker bei der Insolvenz noch nicht bezahlt habe. Euler Hermes gilt damit als Hauptgläubiger der Drogeriekette.

Am Vormittag schon könnte es Klarheit für 14.300 Mitarbeiter geben, die um ihre finanzielle Existenz bangen. Die Belegschaft hofft auf einen Retter in letzter Sekunde. "Möglich ist alles", sagte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung.

Kündigung ab Ende Juni

Zuletzt war Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz noch in "harten Verhandlungen" mit den zwei verbliebenen Interessenten. Vergangenen Freitag hatten die Gläubiger zur Schlecker-Rettung eine letzte Frist von einer Woche eingeräumt , um die bisher nicht ausreichenden Angebote der Investoren nachzubessern. Die Hoffnung liegt bei vielen vor allem auf Berggruen, ihm wird zugetraut, sich auf das Risikoprojekt einzulassen.

Wenn aber das endgültige Aus entschieden wird, erhalten erneut Tausende Schlecker-Mitarbeiter – meist Frauen – schon Ende Juni oder Anfang Juli die Kündigung. Davor würde der Wareneinkauf gestoppt, der Ausverkauf in den Filialen gestartet sowie sämtliche Verträge mit Lieferanten und Vermietern gekündigt.

Hilferuf von ver.di

Parallel begänne der Verkauf der Auslandsgesellschaften und Immobilien wie Lager. Mit den Einnahmen würden zunächst laufende Kosten gedeckt: zum Beispiel Gehälter, Warenbestellungen aus der Zeit der Insolvenz und die Tätigkeit der Insolvenzverwaltung. Der Rest käme in einen Topf, den sich die Gläubiger teilen würden.

Ein letzter Hilfe-Aufruf kam noch von der Gewerkschaft ver.di : Sie forderte kurz vor Fristablauf die Politik auf, einen Rettungsbeitrag zu leisten, der Geiwitz bei der Investorensuche Spielraum verschaffen könnte. Der Vorschlag blieb bisher ungehört. Eine Auffanggesellschaft für die Mitarbeiterinnen war am Widerstand der FDP in Bayern gescheitert , die das notwendige Darlehen nicht staatlich absichern wollte.

In Berlin wollen am Tag der Entscheidung Hunderte Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft ver.di zur Betriebsräte-Konferenz zusammenkommen und über die erwartete Entscheidung beraten.