Nach dem Bekanntwerden eines falschen Titels in seinem Lebenslauf ist Yahoo-Chef Scott Thompson zurückgetreten. Nachfolger Thompsons an der Spitze des Internetkonzerns werde übergangsweise Ross Levinsohn, teilte Yahoo mit . Die sonst üblichen Abschiedsworte und guten Wünsche für den weiteren Lebensweg fehlten in der Mitteilung.

Mehrere Medien hatten bereits über das nahende Ende von Thompsons Karriere bei Yahoo berichtet. Der Internetkonzern hatte Anfang Mai einräumen müssen, dass Thompson gar keinen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften hat, wie in seinem Lebenslauf angegeben. Er hat lediglich einen Abschluss in Buchhaltung.

Der Fehler ist Yahoo zufolge aus Versehen passiert. Das ändere aber nichts daran, dass Thompson "eine höchst qualifizierte Führungspersönlichkeit mit einer erfolgreichen Vergangenheit in den Leitungen großer Unternehmen der IT-Branche" sei, hatte es damals geheißen. Thompson selbst hat sich bis heute nicht öffentlich erklärt. Aus sicheren Quellen hieß es jedoch, Thompson habe Kollegen vor dem Rückzug erzählt, dass er Schilddrüsenkrebs habe.

Yahoo machte seit 2008 erstmals wieder Gewinn

Den falschen Titel im Lebenslauf hatte der Hedgefonds Third Point entdeckt, der nach eigenen Angaben 5,8 Prozent an Yahoo besitzt und einen Kurswechsel des angeschlagenen Unternehmens fordert. Der Rücktritt Thompsons ist auch ein Zugeständnis an den Third-Point-Manager Daniel Loeb, der nun zudem einen Sitz im Verwaltungsrat erhält. Yahoo hatte vor kurzem noch erklärt, es wolle Loeb nicht im Verwaltungsrat, da er nicht die nötigen Qualifikationen besitze. Auch Loebs Vertraute Harry Wilson und Michael Wolf sollen am Mittwoch in den Verwaltungsrat einziehen. Fred Amoroso wird den Vorsitz des Verwaltungsrats übernehmen.

Erst im Januar hatte Thompson den Posten bei Yahoo angetreten, vier Monate nach der Entlassung seiner Vorgängerin Carole Bartz . Sie musste den Konzern verlassen, weil sie es nicht geschafft hatte, den Umsatzschwund zu stoppen. Yahoo, einst Pionier des Internets, versucht seit Jahren, sich gegen die starke Konkurrenz von Google und Facebook zu behaupten. Thompson galt zunächst als Hoffnungsträger :  Im ersten Quartal dieses Jahres konnte das Unternehmen erstmals seit 2008 wieder einen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vorweisen.