Der Münchner Finanzinvestor Dubag will nach einem Kauf der Schlecker-Firmen Ihr Platz und Schlecker-XL keine Stellen streichen. "Im Gegenteil, wir wollen den Mitarbeiterstamm aufbauen", sagte Dubag-Vorstand Michael Schumann der Münchner Zeitung tz . Sowohl die Ihr-Platz-Firmenzentrale in Osnabrück als auch die Filialen sollten gestärkt werden.

Der Gläubigerausschuss hatte sich am Freitag darauf geeinigt, Schlecker zu zerschlagen . Von den 14.300 Mitarbeitern von Schlecker bekämen etwa 13.200 bis Ende Juni die Kündigung, hieß es. Lediglich die moderneren Schlecker-XL-Läden und die Tochter Ihr-Platz haben mit Dubag einen Käufer gefunden. Für die 1.110 Angestellten des Tochterunternehmens Schlecker XL gebe es dagegen "eine eigenständige Zukunft", hieß es.

Schumann rechnet laut tz damit, dass die Schlecker-Gläubiger wie auch das zuständige Insolvenzgericht Ulm der Übernahme kurzfristig zustimmen werden. Der Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider hatte der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Samstag gesagt, er halte eine Zustimmung für sehr wahrscheinlich. Dubag wolle dann die etwa 340 Schlecker-XL-Geschäfte mit ihren rund 1.110 Beschäftigte dem Ihr-Platz-Filialnetz mit 490 Läden und fast 3.990 Mitarbeitern hinzufügen.

Für die entlassenen Mitarbeiter Drogeriemarktkette Schlecker lehnt Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider ( SPD ) finanzielle Hilfen des Landes ab. "Wir sind als Land nicht in der Lage, eine Transfergesellschaft oder einen Sonderfonds zu speisen, der dann über zwei oder drei Monate die Arbeitslosigkeit hinausschieben würde", sagte Schneider im Radiosender WDR 2. Ein solches Modell könne nur funktionieren, wenn es von der Bundesebene ausgehe. "Deshalb ist jetzt Berlin am Zuge." Schneider will sich am Vormittag mit Schlecker-Mitarbeiterinnen aus Nordrhein-Westfalen treffen.

Betriebsrat rügt Schlecker-Familie

Dem Handelsblatt zufolge verfügt die Schlecker-Familie auch nach der Insolvenz noch über ein Privatvermögen von 35 bis 40 Millionen Euro. Arbeitnehmervertreter haben das Unternehmen zu vollständiger Transparenz aufgefordert. "Alle Fakten müssen jetzt auf den Tisch", sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann der Bild -Zeitung. Zugleich kritisierte sie, dass die Eigentümerfamilie eine Zahlung von neun Millionen Euro an die Firma Schlecker trotz eines angeblichen Finanzpolsters von bis zu 40 Millionen Euro abgelehnt habe.

Laut einem Bericht des Spiegel hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die Familie Schlecker am 25. Mai um eine Verlustfinanzierung von sieben bis neun Millionen Euro für den Monat Juni gebeten. Doch die Familie war Geiwitz zufolge "entweder nicht bereit oder nicht in der Lage", diese Summe zu zahlen. 

"Wenn die neuen Vorwürfe stimmen, dann ist das eine Dreistigkeit, die durch nichts zu überbieten ist", sagte Hoffmann der Bild . Das Verhalten der Familie Schlecker gegenüber den Zehntausenden Mitarbeitern sei "sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos".