Der größte deutsche Versorger E.on hat sich mit dem russischen Gazprom-Konzern auf günstigere Gaslieferverträge geeinigt. Das Unternehmen lässt sich Verluste aus Altverträgen mit rund einer Milliarde Euro vergüten. Die Regelung gelte rückwirkend ab Oktober 2010, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

"Mit den Vereinbarungen festigen wir unsere langjährige erfolgreiche Partnerschaft mit Gazprom ", sagte Konzernchef Johannes Teyssen. E.on hat seine ölpreisgebundene Gasmenge komplett neu verhandelt. "Diese Vereinbarung ist ein Kompromiss, der die derzeitigen Trends und Entwicklungen auf dem Gasmarkt berücksichtigt", sagte Gazprom-Export-Chef Alexander Medwedew.

Die Neuverhandlung ist ein bedeutender Erfolg für E.on. Jahrelang hatte der Konzern vergeblich versucht, die Konditionen neu zu verhandeln. Die Tochterfirma E.on Ruhrgas hatte deshalb im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 700 Millionen Euro verzeichnet.

Altverträge mit russischen Gaslieferanten treiben die Branche seit Jahren um. Auch E.on-Konkurrent RWE versucht seit Langem, die Konditionen neu zu verhandeln. Die internationalen Gasmärkte verändern sich zurzeit radikal. Auf den Spotmärkten zur kurzfristigen Versorgung können sich Stromkonzerne inzwischen günstig mit Erdgas eindecken, da die gestiegenen Fördermengen von Schiefergas aus den USA die Preise sinken lassen. Die langfristigen Gasverträge mit Ölpreisbindung entpuppen sich dagegen als Verlustbringer für deutsche Unternehmen.

Ob die Stromkunden von der Neujustierung profitieren, ist unklar. Nach Einschätzung von Verbraucherschützern ist E.on zunächst der alleinige Nutznießer. Es sei ungewiss, ob die Preisnachlässe bei den Endverbrauchern ankämen, sagt Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Dies hänge vor allem von der Wettbewerbssituation auf dem Gasmarkt ab, sagte der Verbraucherschützer. Vorstellbar sei, dass nun durch den günstigeren Einkauf von E.on der Wettbewerb angeheizt werde. Für die Endkunden läuft die Preisentwicklung beim Gas derzeit aber genau in die andere Richtung, zahlreiche Unternehmen haben Tariferhöhungen angekündigt.

Dank der Neuverhandlung und anderen Effekten erhofft sich E.on einen Gewinnsprung: Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Gewinn von 4,1 bis 4,5 Milliarden Euro – statt bisher 2,3 bis 2,7 Milliarden Euro.