Der Softwarekonzern SAP stimmt zu, dem US-Konkurrenten 306 Millionen Dollar (251 Millionen Euro) für den Diebstahl von Oracle-Softwaredaten zu zahlen. Dies ging aus gemeinsamen Gerichtsunterlagen hervor. Sollte das zuständige Gericht der Übereinkunft annehmen, endet ein erst in diesem Jahr begonnener neuer Prozess. Das spare Zeit und Geld, teilten die Anwälte beider Konzerne mit.

In dem schon seit sieben Jahren andauernden Rechtsstreit hatte Oracle von einem Geschworenengericht Ende 2010 den Rekordschadensersatz von 1,3 Milliarden Dollar zugesprochen bekommen . Ein Berufsgericht revidierte jedoch den Juryspruch im vergangenen Jahr als "völlig überzogen" und kürzte zur Freude von SAP den an Oracle zu zahlenden Schadensersatz auf 272 Millionen Dollar drastisch. Daraufhin strengten die Amerikaner einen neuen Prozess an.

Der Grund für den langen Streit zwischen SAP und Oracle liegt Jahre zurück. SAP hatte 2005 den kleinen Softwaredienstleister TomorrowNow erworben, mit dessen Hilfe Oracle Kunden abspenstig gemacht werden sollten. Wie sich nach einer Klage von Oracle allerdings herausstellte, griff TomorrowNow illegal auf Datenbanken des SAP-Konkurrenten zu. Die Staatsanwaltschaft von San Francisco kam bei ihren Ermittlungen auf mindestens 6.249 Fälle. SAP erhielt eine Strafe von 20 Millionen Dollar, die die Deutschen auch zahlten. Parallel dazu lief seit 2007 die zivilrechtliche Klage von Oracle vor einem kalifornischen Gericht. SAP hat die Verfehlungen längst eingestanden und sich öffentlich entschuldigt.

"SAP ist der Auffassung, dass dieser Fall lange genug dauert", teilte ein Unternehmenssprecher in einer E-Mail mit. Zwar sei man der Meinung, dass die 306 Millionen Dollar eine zu hohe Entschädigung darstellten, doch wolle man den Fall zu einem Ende bringen.