Nick Madden ist empört. "Wenn wir heute in Detroit Aluminium bestellen, müssen wir bis Anfang 2015 warten, bis es geliefert wird", sagt der Logistikchef von Novelis, dem weltgrößten Hersteller von Aluminium-Walzprodukten, etwa für Autoteile oder Getränkedosen. Deshalb würde er nie bei Metro International Trading Service ordern, einer Goldman-Sachs-Tochter mit 27 Lagerhäusern in Detroit.

Seitdem die US-Investmentbank das Unternehmen 2010 übernahm, ist die Wartezeit für Kunden um das Zwanzigfache angestiegen. Die Verknappung des verfügbaren Aluminiums schlägt natürlich auf die Preise durch: "Die Lieferzuschläge sind auf ein Rekordhoch gestiegen", sagt Madden.

Der Novelis-Manager ist deshalb froh, dass nun endlich eine öffentliche Debatte um die umstrittenen Rohstoffgeschäfte der Banken begonnen hat. Ein Bankenunterausschuss des US-Senats hielt vergangenen Dienstag eine Anhörung ab. Laut einem Bericht des Wall Street Journal wurde jetzt auch eine offizielle Untersuchung angeordnet. Zudem hat die amerikanische Notenbank Fed eine Überprüfung angekündigt.

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Artikel der New York Times, in dem Goldman Sachs vorgeworfen wird, mit ihren Aluminiumgeschäften in Detroit die Auflagen der Metallbörse London Metal Exchange (LME) geschickt zu umgehen: Die LME fordert, dass aus jedem Lagerhaus mindestens 3.000 Tonnen Aluminium pro Tag ausgeliefert werden müssen. Damit will die Börse die in den USA verfügbare Menge des Metalls und somit auch Preis regulieren. Goldmans Trick: Die Tochterfirma Metro International transportiert die 1500 Pfund schweren Aluminium-Barren einfach von einem Detroiter Lagerhaus ins nächste. Nur schätzungsweise ein Zehntel geht an die Abnehmer.

Mittlerweile sollen in den 27 Detroiter Lagerhallen insgesamt 1,5 Millionen Tonnen des Leichtmetalls liegen – mehr als ein Viertel des auf dem US-Markt verfügbaren Aluminiums. Goldman kassiert für die Lagerung Miete: 48 Cent pro Tonne und Tag. Beim derzeitigen Lagerstand kämen so pro Jahr rund eine viertel Milliarde Dollar zusammen. Zum Vergleich: 2010 hatte die Bank Metro International für lediglich 550 Millionen Dollar übernommen. "Damit machen sie mehr Gewinn als an der Rohstoffbörse", sagt Bankenanalyst Richard Bove von Rafferty Capital Markets.