Bundeskanzlerin Angela Merkel ist voller Jubel. "Die Tinte, mit der diese Erfolgsgeschichte geschrieben wurde, ist Innovation", bescheinigt sie dem Bayer-Konzern zum 150-jährigen Bestehen. Doch was an diesem Donnerstag in den Hintergrund rückt: Zur Firmengeschichte gehören auch wenig lobenswerte Kapitel, etwa die Profite aus zwei Weltkriegen.

Am Anfang steht die Erfindung von synthetischen Farbstoffen aus Steinkohlenteer. Weil sie in Deutschland zunächst keinem Patent unterliegen, stürzen sich viele Firmen auf die Herstellung. Auch der Farbenhändler Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gehören dazu. Sie gründeten am 1. August 1863 in Barmen die Friedr. Bayer et comp..

Doch nur wenige Jahre später bricht die Wirtschaft ein, gerade auch in Barmen müssen viele Firmen Konkurs anmelden. Auch die 1881 als Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in eine Aktiengesellschaft überführte Firma Bayer gerät ins Schwanken. Der neue Chef, Bayers Schwiegersohn Carl Rumpff, stellt drei junge Chemiker ein, frisch von der Universität. Sie sollen neue Produkte erfinden und die Zukunft der Firma sichern.

Einer von ihnen ist Carl Duisberg, just in Jena promoviert. Der Akademiker muss sich erst gegen die handwerklich geprägten Färber durchsetzen. Dank seiner wissenschaftlichen Kenntnisse gewinnt er Patentprozesse, etwa ein Verfahren gegen Agfa um die Farbe Kongorot. 1888 bekommt er Prokura, wird 1910 Direktor und 1912 Generaldirektor. Duisberg treibt die Forschung voran, eröffnet neue Labore und lässt 1895 einen neuen Unternehmenssitz am Rhein bauen, das heutige Leverkusen.

Größter Erfolg ist Aspirin

Bayer expandiert in die Pharmabranche, wird zur "Apotheke der Welt". Deren größter Erfolg ist das Aspirin. Der schmerzstillende Wirkstoff Acetylsalicylsäure wird 1897 erstmals im Bayer-Stammwerk in Elberfeld in seiner reinen Form gebraut. Bayer schreibt die Erfindung des "Jahrhundertpharmakons" dem Chemiker Felix Hoffmann zu. Sein Kollege Arthur Eichengrün beansprucht allerdings die Leistung später für sich: Er sei zur NS-Zeit wegen seiner jüdischen Herkunft als Erfinder getilgt worden.

Bayer-Chemiker entdecken auch die antibakterielle Wirkung der Sulfonamide und bringen das erste Breitband-Antibiotikum unter dem Produktnamen Prontosil heraus. Gerhard Domagk erhält 1939 dafür den Nobelpreis für Medizin.

Der erste Bestseller für Bayer ist allerdings seit 1898 das Diacetylmorphin, heute besser bekannt unter seinem Produktnamen Heroin. Bayer bewirbt es als Schmerz- und Hustenmittel, als Arznei gegen Bluthochdruck, Lungen- und Herzerkrankungen sowie als "nicht süchtigmachendes Medikament", um Symptome des Morphin- und Opiumentzugs zu lindern. Einzige Nebenwirkungen laut Beipackzettel: Verstopfung und leichte sexuelle Lustlosigkeit.