Auch in Schienen, Weichen, Bahnhöfe und Brücken steckte die Bahn immer weniger Geld. "Die Infrastruktur ist die Cashcow des Unternehmens", sagt Böttger. Der Bund investierte viel Geld ins Streckennetz, der Konzern zog das Geld lieber heraus. Weil die Bahn sparte, statt zu investieren, gelten inzwischen viele Anlagen als überaltert und marode. "Sie hat dabei viele Zusammenhänge übersehen, an denen die Dinge verwoben sind", kritisiert Böttger, "jetzt ist es wie mit dem heraushängenden Faden am Pullover: Wenn man daran zieht, löst sich plötzlich der ganze Pullover auf."

Grube muss umsteuern

Von Bahnchef Grube erhoffen sich Experten und Gewerkschaften, dass er endlich wieder umsteuert. "Wenn er ein Loch erkannt hat, dann stopft er es auch", sagt Böttger, "aber es gibt verdammt viele Löcher." Und das Geld, was die Bahn in ein Loch hineinsteckt, fehlt ihr an anderer Stelle. Trotzdem werde Grube wohl die 50 Millionen Euro für die 600 neuen Fahrdienstleiterstellen locker machen.

"Was sind schon 50 Millionen? Wo die Bahn gerade ein serbisches Busunternehmen für 200 Millionen Euro gekauft hat", kritisiert Böttger. Das nämlich hält er für den "größten Skandal": Dass die gesamten Gewinne des Konzerns aus dem deutschen Eisenbahngeschäft kommen, aber in den Zukauf ausländischer Bus- und Speditionsfirmen fließen, die kaum Gewinn abwerfen. Seit Jahren versuche sich die Bahn als internationaler Logistikkonzern zu profilieren, das deutsche Netz bliebe dafür auf der Strecke.

Der größte Vorwurf – auch vonseiten der Gewerkschaften – geht daher an die Politik: Ein fähiger Verkehrsminister müsste der Bahn endlich das Signal geben, die Weichen neu zu stellen. Nicht nur in Mainz – überall.