Der mexikanische Telekom-Milliardär Carlos Slim will den niederländischen Konzern KPN für gut sieben Milliarden Euro komplett übernehmen. Sein Unternehmen America Movil bietet nach eigenen Angaben 2,40 Euro je KPN-Aktie – etwa 35 Prozent mehr als der Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Bisher kontrolliert Slim bereits 29,8 Prozent der Aktien.

Käme der Kauf zustande, könnte ein anderes Geschäft infrage stehen: KPN hatte vor Kurzem den Verkauf seiner deutschen Mobilfunk-Tochter E-Plus an O2 angekündigt , das dem spanischen Telefonkonzern Telefonica gehört. Als Kaufpreis sind fünf Millionen Euro im Gespräch.

Unter Marktbeobachtern herrschen Zweifel, dass das nun noch gelingt. "Bei E-Plus gibt es nun ein signifikantes Risiko, dass sie den Verkauf jetzt blockieren", sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santo im Hinblick auf KPN. Mit den Überlegungen bei America Movil vertraute Personen hatten zuvor schon gesagt, dass der Konzern die gut acht Milliarden Euro, die O2 für E-Plus bietet, für zu niedrig hält.  

In einer Mitteilung ließ America Movil die Entscheidung des E-Plus-Verkaufs an Telefonica offen. Das Unternehmen habe seine Haltung zum geplanten Verkauf von E-Plus nicht aufgegeben, hieß es. "America Movil prüft derzeit aufmerksam die Vorteile des vorgeschlagenen Geschäfts."

America Movil und Telefonica stehen in hartem Wettbewerb zueinander. Die beiden Firmen sind direkte Konkurrenten in vielen Ländern Lateinamerikas und kämpfen dort hart um die Vorherrschaft.

In einer Mitteilung von KPN heißt es, man werde das 7,2 Milliarden Euro umfassende Kaufangebot von America Movil nun prüfen.

Käme der Verkauf von E-Plus an O2-Eigentümer Telefonica doch zustande, wäre das spanische Unternehmen mit mehr als 40 Millionen Kunden in Deutschland auf einen Schlag Marktführer – weit vor Telekom und Vodafone . Wegen der zu erwartenden Marktmacht hatte die Bundesnetzagentur laut einem Bericht bereits gedroht , den Mobilfunkunternehmen Frequenzen zu entziehen.