Das hoch verschuldete Immobilien-Unternehmen IVG sucht die Rettung vor seinen Gläubigern durch einen Schutzschirm nach der Insolvenz-Ordnung. Der Vorstand werde beim Amtsgericht einen entsprechenden Antrag stellen, teilte das Unternehmen mit. So werde es für drei Monate vor dem Zugriff seiner Gläubiger geschützt. Betroffen sei ausschließlich die Muttergesellschaft IVG Immobilien AG mit Sitz in Bonn . Der Schritt sei unausweichlich gewesen, weil sich das Unternehmen mit den Gläubigern nicht auf eine Sanierung verständigen konnte.  

Die IVG zählt zu den großen Immobilien-Unternehmen in Europa mit einem verwalteten Vermögen von 21,1 Milliarden Euro. Der Konzern hatte sich unter anderem mit Großobjekten wie The Squaire am Frankfurter Flughafen überhoben und Schulden von 4,2 Milliarden Euro angehäuft. Er ist auch beteiligt an dem " The Gherkin " genannten Swiss-Re-Tower in London , der zu einem Wahrzeichen des Bankenviertels der Finanzmetropole geworden ist. Neben der Reduzierung der Schulden muss das Unternehmen auch eine akute Liquiditätslücke von bis zu 120 Millionen Euro schließen.

Zudem gab der Bonner Konzern im August einen Abschreibungsbedarf von weiteren 350 Millionen Euro bekannt. Damit trat ein Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals ein. Dabei wurden Immobilien, Öl- und Gas-Kavernen sowie Beteiligungen und Forderungen abgewertet. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen Verluste von 45 Millionen Euro verbuchen müssen. Im Gesamtjahr 2012 lag der Fehlbetrag bei rund 100 Millionen Euro. 

Vor wenigen Wochen hatte es noch positive Signale gegeben. Die Gläubiger verständigten sich Mitte August zunächst auf ein Restrukturierungskonzept. Das sah einen weitgehenden Forderungsverzicht vor. Im Gegenzug sollten die Gläubiger Aktien des Unternehmens erhalten und maßgeblich an der IVG beteiligt werden. Über weitere Details der Pläne sei bei den Gläubigern am Ende aber keine Verständigung erzielt worden, hieß es.   

Aggressive Käufe

Der aus der früheren staatlichen Industrieverwaltungsgesellschaft hervorgegangene Immobilienkonzern war jahrelang ein grundsolides Unternehmen. Doch der 2006 zum Vorstandschef gekürte Wolfhard Leichnitz setzte auf eine aggressive Expansion mit spektakulären und überteuerten Käufen von Bürohäusern. Bei der Großinvestition in den riesigen Geschäftskomplex The Squaire über dem ICE-Bahnhof am Frankfurter Flughafen stiegen die Baukosten schnell. Schon nach zwei Jahren war Leichnitz' Ära beendet, und ein riesiger Schuldenberg lastete auf dem Unternehmen.

Vor dem Hintergrund der Immobilien- und Finanzkrise kam die IVG mit ihrem Hauptgeschäft Büroimmobilien nicht anhaltend ins Plus. Abwertungen mussten vorgenommen und Bestände veräußert werden. Mieteinnahmen fielen geringer aus als geplant, etwa bei dem Londoner Swiss-Re-Tower. Die eingeleitete Sanierung reichte nicht aus. 

Die IVG betreibt neben den Immobilien auch Kavernen zur unterirdischen Öl- und Gaslagerung. An 19 Standorten in Europa betreut sie Büros im eigenen Bestand mit einem Marktwert von rund 4,0 Milliarden Euro.