Die insolvente Baumarktkette Praktiker beginnt den Ausverkauf, um 51 Filialen zu schließen. An den betroffenen Standorten werde die Waren zu Sonderpreisen verkauft, bis die Märkte spätestens Ende Oktober leer seien, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Christopher Seagon mit. 

Darunter sind drei extra Bau- und Hobby-Märkte. Diese Märkte erwirtschafteten seit Längerem deutliche Verluste und belasteten damit die anderen Filialen, heißt es in der Mitteilung. Der Abverkauf mit hohen Rabatten beginne voraussichtlich in der kommenden Woche.

Insgesamt besteht die Kette gegenwärtig aus 168 Praktiker-Märkten. In den übrigen Praktiker-Filialen des Konzerns gehe der Verkauf mit allen Beschäftigten unverändert weiter, heißt es in der Mitteilung. Die Warenversorgung sei auf der Grundlage eines Massekredits sichergestellt. 

2.500 Beschäftigten soll zunächst nicht gekündigt werden

Auch die Tochtergesellschaft Max Bahr hatte zwei Wochen nach Praktiker den Insolvenzantrag gestellt. Für Max Bahr wurde ein eigener vorläufiger Insolvenzverwalter berufen, ebenso für die Holding.

Den insgesamt 1.500 festen Angestellten sowie weiteren 1.000 geringfügig Beschäftigten an den 51 Standorten werde zunächst nicht gekündigt. "Diese Märkte haben unter dem Dach von Praktiker oder Max Bahr keine Perspektive", sagte Seagon. "Ein leer verkaufter Markt aber ist insbesondere für potenzielle Investoren anderer Branchen interessanter als ein Markt mit Ware." Deshalb gebe es die Chance, dass Standorte und Beschäftigte übernommen werden könnten. Entsprechende Anfragen seien bereits eingegangen.

Wie es mit den weiteren Standorten der Praktiker-Gruppe weitergehe, werde der laufende Investorenprozess zeigen. Dazu seien weitere Detailprüfungen notwendig. Verschiedene strategische und Finanzinvestoren hätten bereits ihr Interesse an der Gruppe als Ganzes oder Teilen davon bekundet. Mit konkreten Angeboten sei Anfang kommenden Monats zu rechnen.

Praktiker hatte vor einem Monat einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem das Unternehmen durch Managementfehler in eine hartnäckige Krise geraten war. Zunächst führte eine verfehlte Rabattstrategie zu Verlusten, dann erodierte die Kundenbasis. Der Konzern war zu geschwächt, um die wetterbedingte Branchenflaute des ersten Halbjahres noch zu überstehen. Insgesamt gilt das Handelssegment der Baumärkte als überbesetzt und sehr wettbewerbsintensiv.