Auch ein großer Energiekonzern muss kräftig aufstampfen, soll sein Anliegen nicht im allgemeinem Gemurmel der Koalitionsverhandlungen untergehen. So donnert es jetzt bei RWE, Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern aus Essen: Man werde in den nächsten zwei Jahren 6.750 Stellen streichen, 4.750 davon in Deutschland, heißt es. Das wären insgesamt 13.000 Jobs seit 2011, also seit Fukushima, seit dem Atomausstieg, seit den Beschlüssen zur Energiewende. Der etwas größere Konkurrent E.on aus Düsseldorf kommt für den Zeitraum auf 11.000 Jobstreichungen.

Stellenabbau: Das ist – sagen sich die Chefs der beiden Megaversorger wohl – das einzige Wort, das wirklich alle Politiker von rechts bis links noch verstehen. Da liegen sie wohl nicht ganz falsch. Und doch sollten die möglichen Großkoalitionäre in spe unter dem Eindruck solcher Zahlen nicht einfach diesem Druck nachgeben und den Fahrplan der Energiewende in der Art umschreiben, dass sich die Branchengrößten am wenigsten bewegen müssen. Energiewende bedeutet: Alle müssen sich drehen, wenn unsere Energieversorgung sauberer, moderner, effizienter, unabhängiger und – langfristig gesehen – bezahlbar werden soll.

Die privaten und gewerblichen Verbraucher strecken sich schon länger. Seit drei bis vier Jahren steigen ihre Stromrechnungen – auch, aber nicht allein, wegen der Ökostromumlage. Und zwar so stark, dass es auch die Haushalte der Mittelschicht deutlich zu spüren bekommen. Aber was machten die Versorger derweil? Unvergessen ist, wie Jürgen Großmann, bis Sommer 2012 RWE-Chef, nach dem Start der schwarz-gelben Koalition 2009 um die Kanzlerin herumtänzelte. Es folgte der Ausstieg vom Atomausstieg, die gute alte Energiewelt schien in Ordnung – bis Fukushima kam.

Seither ist nicht mehr viel passiert. Die führenden Versorger bekannten sich zwar artig zur Energiewende, schienen aber darauf zu lauern, dass diese Wende doch noch einen etwas leichteren Dreh bekommt. Einen, bei dem sie ihr Geschäftsmodell fortsetzen können, bei dem sie keinen Ballast über Bord werfen müssen.

Wer Energie erzeugt und selbst verkauft, hatte schon immer quasi eine Lizenz zum Gelddrucken. Und das klappte sogar noch besser nach der Liberalisierung der Strommärkte ab Mitte der 1990er Jahre. Da mussten die Vorstände dieser Aktiengesellschaften nämlich weniger Rücksicht auf Lokalpolitiker nehmen und konnten sich auch mal von defizitären Geschäftsteilen trennen. Seither sind sie nur noch den Aktionären verpflichtet. Und die sind nun enttäuscht, müssen es sein. Der Wert ihrer Anteile hat sich im Falle von RWE in den vergangenen Jahren halbiert.

Nun stellt sich die Schuldfrage. Es ist nur menschlich, dass Johannes Teyssen (E.on) und Peter Terium (RWE) auf die noch amtierende Bundesregierung verweisen. Die macht es den Managern leicht, da sie sich tatsächlich als unfähig erwies, in irgendeiner Hinsicht verlässliche Rahmenbedingungen auf dem Strommarkt zu schaffen. Insofern ist es gut, wenn Union und SPD die angekündigten Stellenstreichungen ernst nehmen. Sie sollten sich davon aber nicht erpressen lassen.

Erschienen im Tagesspiegel