Daimler droht in Frankreich ein Prozess wegen Insiderhandels mit EADS-Aktien. Die Pariser Staatsanwaltschaft habe Anklage gegen den Autokonzern und einen weiteren früheren EADS-Großaktionär, den französischen Medienkonzern Lagardère erhoben, hieß es aus Justizkreisen. Ein Daimler-Sprecher bestätigte, dass eine Anklage vorliege und geprüft werde. 

Gegen Daimler und Lagardère war Anfang 2011 ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Ihnen wird vorgeworfen, beim Verkauf von EADS-Aktien von internem Wissen profitiert zu haben: Beide Konzerne hatten im April 2006 den Verkauf von jeweils 7,5 Prozent der EADS-Anteile bekannt gegeben. Zwei Monate später räumte EADS dann Lieferprobleme beim Airbus A380 ein, was zu einem massiven Kurssturz der Aktie führte.

Daimler und Lagardère haben die Vorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen und erklärt, der Aktienverkauf sei lange geplant gewesen und habe nichts mit der Verzögerung beim A380 zu tun. Inzwischen sind beide Unternehmen ganz bei EADS ausgestiegen.

Neben den beiden Konzernen sind auch sieben frühere und derzeitige Manager von EADS angeklagt. Ein Sprecher von EADS sagte, der Konzern habe weiterhin volles Vertrauen zu den betroffenen Manager und halte die Vorwürfe für vollkommen unbegründet. 

Anklage trotz Freispruch der Börsenaufsicht

Im Dezember 2009 hatte die französische Börsenaufsicht AMF alle von den Ermittlungen betroffenen EADS-Manager vom Vorwurf des Insiderhandels freigesprochen . Auch EADS selbst sowie Daimler und Lagardère wurden von der Börsenaufsicht entlastet.

Ein Lagardère-Anwalt sagte, er sei überrascht, dass gegen den Konzern nun ein Prozess angestrengt wird. Daimler-Anwalt Aurélien Hamelle sagte, der Autobauer weise zurück, Insiderhandel betrieben zu haben. Auch er verwies auf die Entscheidung der französischen Börsenaufsicht.

Insider können berufsbedingt Informationen über börsennotierte Unternehmen haben, die öffentlich noch nicht bekannt sind. Nutzen sie das exklusive Wissen zum eigenen Vorteil aus, etwa um früher als andere Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen, machen sie sich strafbar. Für Insiderhandel drohen in Frankreich bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zum Zehnfachen des Gewinns aus den Geschäften.