Rund 1,4 Milliarden Euro sammelte Prokon mit dem Versprechen auf acht Prozent Rendite bei der Finanzierung von Öko-Energieprojekten ein. Nun hat das Unternehmen mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen und droht seinen Anlegern mit der Insolvenz.

Sollte es "nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten", heißt es in einem Schreiben (PDF) an die rund 75.000 Kapitalgeber.

Als Ursache für die Situation nennt das Schreiben Panikmache in den Medien. Eine "seit Monaten andauernde Medienkampagne" habe dafür gesorgt, dass "nach wie vor zahlreiche Anleger aus Angst vor einem Verlust ihres angelegten Geldes ihre Genussrechte kündigen". Prokon hatte seine Investoren bereits im Dezember aufgefordert, die Zinsen für das zweite Halbjahr 2013 zur Entspannung der Liquiditätslage im Unternehmen zu belassen.

In vorformulierten Rückantworten sollen sich die Anleger nun dazu verpflichten, ihr Geld bis mindestens zum 31. Oktober 2014 nicht zurückzufordern, und auch auf die direkte Auszahlung von Zinsen zu verzichten. Auch danach sollen sie ihre Anlage nur in Raten über zwölf Monate ausbezahlt bekommen. Wer dagegen seine Genussrechte zeitnah kündigt, unterschreibt mit dem Formular den Satz: "Eine Insolvenz von Prokon nehme ich bewusst in Kauf."

Prokon betreibt nach eigenen Angaben gut 50 Windparks mit 314 installierten Windkraftanlagen in Deutschland und Polen. Verbraucherschützer hatten das Geschäftsmodell des Unternehmens wiederholt in Frage gestellt und mangelnde Transparenz beklagt. Im September 2012 hatte das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg gegen ein Unternehmen der Prokon-Unternehmensgruppe wegen unlauterer Werbung stattgegeben. Dessen Verkaufsprospekt enthalte irreführende Werbeaussagen zur vermeintlichen Sicherheit der Geldanlage, urteilte das OLG damals.