Der Vorwurf lautet: Prokon übt unzulässigen Druck auf die Anleger aus. So sieht es der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) – und geht nun  gerichtlich gegen den Windparkfinanzierer vor. Dem Unternehmen, das nach eigenen Angaben von der Pleite bedroht ist, soll per einstweiliger Verfügung untersagt werden, weiter Druck auf Genussscheininhaber auszuüben, teilte der Verband mit.

In einem Schreiben vom 10. Januar hatte Prokon die Besitzer von Genussrechten vor einer drohenden Pleite gewarnt und sie aufgefordert, kein Kapital abzuziehen und bestehende Kündigungen zurückzuziehen. Eine Planinsolvenz, so hieß es in dem Brief, lasse sich nur beim Erhalt von mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals verhindern. Anleger haben aber bereits mehr als fünf Prozent – umgerechnet 1,4 Milliarden Euro – abgezogen. 

Der Brief enthielt ein Antwortschreiben, in dem Anleger durch einfaches Ankreuzen einwilligen konnten, ihre Genussrechte beizubehalten oder ihre Anteile sogar zu erhöhen. Prokon hat den Anlegern eine Frist bis zum 20. Januar gesetzt, sich zu erklären.

Auf dieses Schreiben beziehen sich die Verbraucherschützer nun. "Wir sehen in diesem Verhalten einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und lassen daher die Rechtmäßigkeit gerichtlich prüfen", erklärte Lars Gatschke, Referent im Team Finanzen beim vzbv. Es dürfe nicht unnötig mit der Angst der Verbraucher gespielt werden, die bei Prokon investiert haben. Auf sie werde durch die gesamte Aufmachung des Schreibens und die Gestaltung der Rückantwort in unzulässiger Weise Druck ausgeübt.

Experten warnen schon länger vor Genussrechten

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte Prokon nun auf, sein Schreiben zu berichtigen. Außerdem sollte das Unternehmen eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgeben. Weil es nicht reagiert habe, sei beim zuständigen Landgericht in Itzehoe nun eine einstweilige Verfügung beantragt worden, erklärte der vzbv.

Anlegerschützer warnen schon seit Längerem vor Genussrechten, weil Investoren im Fall einer Insolvenz meistens nur nachrangig ausgezahlt werden und ihr Kapital daher in der Regel verlieren. Der Fall Prokon hat deshalb auch eine neuerliche Debatte über einen besseren Schutz von Anlegern auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt ausgelöst.