Der Fleisch-Erzeugerverband Neuland hat juristische Schritte gegen die missbräuchliche Nutzung seines Namens gegen einen Landwirt aus Niedersachsen angekündigt. "Wir werden den Hähnchenmäster wegen Betrugs anzeigen", sagte der Bundesgeschäftsführer von Neuland, Jochen Dettmer. Neuland verspricht eine besonders artgerechte Tierhaltung.   

Der Landwirt aus Wietzen in Niedersachsen hatte im Gespräch mit der ZEIT zugegeben, dass er jahrelang konventionell gehaltene Mastvögel eingekauft, geschlachtet und als Neuland-Geflügel verkauft hat. Hunderttausende Hähnchen wurden demnach mindestens in den vergangenen fünf Jahren verkauft. Der Landwirt verdiente damit Hunderttausende Euro.

Verbandsfunktionär Dettmer räumte ein, nach ersten entdeckten Unregelmäßigkeiten 2012 nicht mit genug Nachdruck kontrolliert zu haben. "Wir haben aufgrund der langjährigen Geschäftsbeziehungen dem Landwirt vertraut", sagte er. 

Der Geflügelzüchter belieferte Neuland seit etwa 15 Jahren. Im Jahr 2013 waren es knapp 93.000 Hähnchen gewesen. Ende 2013 kündigte der Landwirt nach einem Zerwürfnis mit Neuland den Vertrag. Damit habe sich der Landwirt einer bereits terminierten Kontrolle entzogen, sagte Dettmer. Künftig werde Neuland die Lieferbetriebe intensiver kontrollieren. "Offensichtlich gibt es Schlupflöcher im Neuland-Kontrollsystem, die wir so nicht erwartet haben."

Bei dem Geflügelbetrug handelt es sich nach Ansicht des Vereins um einen Einzelfall. "Wir bedauern sehr, dass die Verbraucher durch den Geflügelbetrieb getäuscht wurden und das uns entgegen gebrachte Vertrauen erschüttert wird", sagte der Vorsitzende von Neuland, Wolfgang Apel. Bis 2011 war er Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, heute ist er Ehrenpräsident. Er versprach Aufklärung und Transparenz. Auch der Umweltverband BUND sprach von einem Einzelfall.

Nach der Kündigung des Hähnchenlieferanten seien noch im Dezember alle Neuland-Fleischer angewiesen worden, die Hähnchen des Betriebs aus den Fleischtheken zu nehmen, hieß es von Neuland. Abnehmer für das Geflügel aus Wietzen war immer die Neuland GmbH Bad Bevensen. Eine Lieferung konnte noch gestoppt werden.

Bis Ende März sei dem Neuland-Betrieb in Bremen ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von etwa 40.000 Euro entstanden, hieß es. Dort werde bereits geprüft, ob gegen den Geflügelbetrieb eine Klage auf Schadensersatz eingereicht werden soll, sagte Dettmer. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte bereits am Mittwoch von Amts wegen Ermittlungen eingeleitet.