Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat ein erneutes Übernahme-Angebot des Rivalen Pfizer abgelehnt. Das Unternehmen teilte mit, der Verwaltungsrat habe darin übereingestimmt, dass der neue Übernahmeversuch nicht ausreichend sei und das Angebot das Potenzial von AstraZeneca unterbewerte.

Der US-Pharmakonzern Pfizer hatte zuvor den Druck auf das Management von AstraZeneca durch ein nochmals aufgestocktes Angebot von rund 106 Milliarden Dollar (63 Milliarden Pfund/77 Milliarden Euro) erhöht. Nachdem AstraZeneca Offerten des US-Konzerns bereits zwei Mal zurückwiesen hatte, steigerte dieser sein Angebot um rund sieben Prozent. Je AstraZeneca-Aktie bot Pfizer 50 anstatt wie bislang 46,61 Pfund.

Der größte Teil der Summe sollte mit Aktien bezahlt werden. In bar sollte nur rund ein Drittel der Summe über den Tisch gehen. Wäre die Übernahme zustande gekommen, wäre es die größte Transaktion in der Pharmabranche seit Jahren gewesen. Weltweit beschäftigt Pfizer mehr 70.000, AstraZeneca mehr über 50.000 Menschen.  

Brief an Cameron

Der amerikanische Konzern wandte sich zudem mit einem Brief direkt an den britischen Premierminister David Cameron. Darin versprach das Unternehmen, ein geplantes Forschungs- und Entwicklungszentrum in Cambridge fertig zu bauen und rund 20 Prozent der Arbeitsplätze in diesem Bereich im Vereinigten Königreich anzusiedeln.  

In dem Brief an Cameron schrieb Pfizer-Chef Ian Read, dass eine Logik der Verbindung von Pfizer und Astra zwingend sei.  Der britische Konzern ist auf Medikamente gegen Asthma, Herzinfarkt, Diabetes, Brust- und Lungenkrebs und Depressionen spezialisiert. Das mit Abstand bekannteste Pfizer-Produkt ist die Potenzpille Viagra. Zudem konzentriert sich der Konzern auf Schwerpunkte in den Bereichen Krebs, Alzheimer, Diabetes und Schmerzbekämpfung.

Die Pharmabranche wird derzeit von einer Fusionswelle durchrollt, da sich die Konzerne wegen auslaufender Patente einer neuen Konkurrenz durch Nachahmerprodukte stellen müssen. Andere Unternehmen dürfen dadurch günstigere Produkte, sogenannte Generika, auf den Markt bringen.