Hermann Bahlsen, der langjährige Geschäftsführer des Keksfabrikanten Bahlsen und Enkel des gleichnamigen Firmengründers, ist tot. Der Unternehmer sei am vergangenen Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben, teilte der Süßwarenproduzent mit.

Knapp 40 Jahre stand Bahlsen an der Spitze des Familienunternehmens, das durch die Erfindung des Butterkekses Ende des 19. Jahrhunderts bekannt wurde. Nach einem Familienstreit über die künftige Strategie des Unternehmens ließ Bahlsen sich 1996 auszahlen und schied als Geschäftsführer und Gesellschafter bei der Bahlsen KG aus. Heute setzt das Unternehmen jährlich 142.000 Tonnen Backwaren in 80 verschiedenen Ländern ab.

In seinen letzten Lebensjahren widmete sich der Hannoveraner vielen Ehrenämtern sowie der Leitung von Auslandsbeteiligungen und Immobilien. Sein Großvater, der Zuckerhändler Hermann Bahlsen senior, hatte 1889 nach einem Aufenthalt in England die Hannoversche Cakesfabrik gegründet und mit dem Verkauf abgepackter Backwaren begonnen, vier Jahre später gelang ihm mit dem Butterkeks der Durchbruch.  

Vier Jahrzehnte an der Konzernspitze

Hermann Bahlsen junior begann seine Karriere im Familienunternehmen im Jahr 1956, als er die Leitung des damals neuen Bahlsen-Werkes in Barsinghausen übernahm. Drei Jahre später starb sein Vater, Anfang 1960 nahm er dessen Platz in der Geschäftsführung ein, an der Seite seiner beiden Onkel. Zunächst war er für die Produktion zuständig, später wurde er Sprecher des Unternehmens. Nach vier Jahrzehnten an der Bahlsen-Spitze verließ er 1996 den Betrieb. Seine beiden Vettern Werner M. und Lorenz Bahlsen hatten andere Vorstellungen für die Firmenstrategie. 

Damals gab es Schlagzeilen über interne Machtkämpfe und unüberbrückbare Differenzen, die zur Teilung des Konzerns in drei Unternehmen führten. Werner M. Bahlsen behielt den Markennamen und produzierte weiterhin Süßes, Lorenz stellte unter der Marke seines Vornamens Snacks her.

Der dritte Teil des Unternehmens, bestehend aus Auslandsbeteiligungen und Immobilien, ging an Hermann Bahlsen. Er engagierte sich auch über die Firmeninteressen hinaus, etwa als Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Präsident der Unternehmerverbände Niedersachsen, österreichischer Honorarkonsul in Niedersachsen und in vielen anderen Ehrenämtern.