Verleger hassen ihn, und Konkurrenten behaupten, er nutze unfaire Wettbewerbspraktiken, um ein Monopol zu errichten. Amazon-Gründer Jeff Bezos bleibt unbeirrt auf Expansionskurs, in den USA und international. Seine Methoden sind dabei nicht immer sauber, den Vorwurf des Machtmissbrauchs hört er fast täglich. Immerhin haben ihn seine Aktionäre bisher unterstützt. Aber jetzt werden auch sie ungeduldig.

"Es ist nicht immer leicht, in meiner Haut zu stecken" sagte der 50-jährige Superstar des E-Kommerz unlängst in einem Interview. Auf die folgerichtige Anschlussfrage, wie man es als 25-facher Dollarmilliardär schwer haben kann, wollte Bezos nicht so recht antworten. Womöglich liegt es daran, dass "der beste Manager der Welt", wie der Schriftsteller Richard Brandt ihn nennt, seit geraumer Zeit von allen Seiten angegriffen wird.

Amazon-Aktionäre sind sauer, weil der Konzern in beängstigendem Tempo weiter Verluste anhäuft. Im vergangenen Jahr rutschte der weltgrößte Onlinehändler knapp in die roten Zahlen und machte vergleichsweise harmlose sieben Millionen Dollar Miese. Allein im zweiten Quartal des laufenden Jahres aber verlor Amazon das Achtzehnfache, nämlich 126 Millionen Dollar. Es ist die Folge eines aggressiven Expansionskurses. Bezos investiert in Buch- und Filmrechte, in neue Produkte wie das Smartphone Fire und zahlreiche neue Versandzentren. Analysten prognostizieren, dass der Verlust im dritten Quartal 2014 auf über 800 Millionen Dollar steigen wird. 

Amazon selbst räumt ein, dass die Verluste wohl zwischen 410 und 810 Millionen Dollar liegen werden. "Da geht selbst Anlegern mit besonders langem Atem, die fest an die langfristige Strategie glaubten, irgendwann die Luft aus", kommentiert die IT-Analystin Kara Swisher den wachsenden Unmut der Anteilseigner.

Aktionäre wollen endlich Gewinne

Doch das bringt Bezos nicht von seinem Plan ab, weiterhin den Umsatz zu steigern und das freiwerdende Geld zu investieren. Anstatt schwarze Zahlen auszuweisen und eine Dividende zu zahlen, geht es dem Amazon-Chef darum, weitere Marktanteile ebenso wie neue Geschäftsfelder zu erobern. Womöglich tatsächlich auf dem Weg zum Monopolisten, der dann die Preise allein bestimmen könnte und endlich jene Gewinne einfährt, nach denen seine Aktionäre sich schon lange Zeit sehnen.

Das Weltmonopol aber ist noch in weiter Ferne. Schließlich besitzt Amazon bei verkauften Hardcover-Büchern einen geschätzten weltweiten Marktanteil von "nur" 33 bis 35 Prozent und beherrscht bei E-Büchern etwa zwei Drittel des Markts. Dass bis zur Auslöschung sämtlicher Konkurrenten die schwachen Zwischenergebnisse Anleger frustrieren, das nimmt der Visionär Jeff Bezos in Kauf.  

Was ihn irritiert, ist aber, dass er plötzlich auf Granit beißt. Seit geraumer Zeit versucht Amazon nämlich, Verlagshäuser zu gängeln. Mit Gewalt will das Onlineunternehmen Verleger zwingen, die Preise ihrer E-Bücher zu senken. Bezos findet, diese sollten keinesfalls mehr als zehn Dollar kosten, von wenigen Fachbüchern und anderen Ausnahmen abgesehen. Zuerst versuchte er es bei dem französischen Großverlag Hachette, dann bei dem US-Branchengiganten Time Warner und zuletzt bei dem globalen Entertainmentmulti Disney.