Unternehmen in Deutschland suchen verzweifelt nach Bewerbern für die Ausbildungsplätze – und es wird auch zunehmend schwierig, geeignete Kandidaten zu finden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK). Allein im vergangenen Jahr seien 80.000 Ausbildungsplätze frei geblieben, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. "Wir befürchten, dass die Zahl der unbesetzten Plätze in diesem Jahr nicht niedriger sein wird." Betroffen sind zunehmend auch Großbetriebe. 

Die Unternehmen beklagen nach wie vor die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern, etwa in den Bereichen Deutsch und Mathematik, sagte Schweitzer. In diesen Fällen könne Nachhilfe im Betrieb noch helfen. Doch wenn es an Disziplin, Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft fehle, sei dies kaum möglich: "Die Schere zwischen betrieblicher Anforderung und sozialen Kompetenzen der Auszubildenden geht weiter auseinander", sagte Schweitzer. Laut IHK berichteten 45 Prozent der Unternehmen von zu geringer Disziplin, 54 Prozent klagten über fehlende Leistungsbereitschaft und 46 Prozent über geringe Belastbarkeit der Azubis.

Auch die demografische Entwicklung und der "Akademisierungstrend" blieben ein Problem. In diesem Jahr gab es laut DIHK 53.000 weniger Schulabgänger als im Vorjahr, zusätzlich sei der "Run auf die Hochschulen ungebrochen". 2013 hätten rund 507.000 junge Menschen ein Studium begonnen, ein Drittel mehr als vor zehn Jahren.

Firmen locken Azubis mit Smartphones

Als Folge kämpft bereits heute mehr als jeder zweite Betrieb mit rückläufigen Bewerberzahlen, heißt es von der DIHK. Deswegen setzen die Firmen bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden zunehmend soziale Medien ein und versuchen, Studienabbrecher anzuwerben. Die jährlich rund 100.000 Studienabbrecher seien vor allem für die IT-Branche, Banken und Versicherungen interessant, sagte Schweitzer. 

Zudem ködern Firmen Kandidaten mit Ausbildungs- und Weiterbildungsangeboten oder Auslandsaufenthalten. "Manche Betriebe bieten sogar 'Goodies für Azubis' wie etwa ein Smartphone oder einen Dienstwagen", sagte Schweitzer. Zu den Lockmitteln gehörten auch Wohnungszuschüsse oder Geld für das Fitnessstudio.

Die erhoffte Einstellungswelle von Azubis aus dem Ausland sei bisher ausgeblieben. In diesem Jahr habe es einen Anstieg um drei Prozentpunkte auf vier Prozent gegeben. Bisher seien vor allem Betriebe im industriell starken Süddeutschland bereit, Auszubildende aus dem Ausland anzuwerben.   

Für die Umfrage hat die IHK 13.000 Unternehmen in Deutschland zu ihren Ausbildungsplänen, -erfahrungen und -motiven befragt.