Die Idee kam Andy Katz-Mayfield vor gut drei Jahren. Der damals 28-Jährige brauchte neue Rasierklingen. Seine Suche im Supermarkt endete wie so oft vor einem verschlossenen Schrank, in dem unzählige, futuristisch aussehende Modelle lagerten. Und die waren vor allem eines: teuer. "Das Ganze war ein ziemlich frustrierendes Erlebnis", erzählt der Amerikaner heute.

Katz-Mayfield erzählte Jeffrey Raider davon. Die beiden kennen sich seit der Kindheit, arbeiteten nach dem Studium gemeinsam bei der New Yorker Beratungsfirma Bain & Company. In langen Telefongesprächen sei damals die Idee entstanden, sich mit einer eigenen Firma für Rasierer und Rasierklingen selbständig zu machen. Die Jungunternehmer durchsuchten Onlineforen, in denen sich Leute austauschten, die sich ebenfalls über die hohen Preise ärgerten, sprachen mit möglichen Partnern und testeten die Produkte der Konkurrenz.

Die könnte mächtiger kaum sein. Mit Gillette und Schick (die in Deutschland unter dem Namen Wilkinson Sword auftreten) dominieren zwei Giganten den knapp 2,5 Milliarden Dollar großen Markt. Die beiden Marken aus den USA und Großbritannien teilen sich rund 85 Prozent des weltweiten Geschäfts für Nassrasierer – und das seit Jahrzehnten. Platz für neue Unternehmen schien da kaum zu sein. "Viele Firmen, die wir für die Herstellung gewinnen wollten, erklärten uns damals für verrückt", erzählt Katz-Mayfield. 

Direktvertrieb über das Internet

Die zwei Amerikaner waren dennoch überzeugt von ihrer Idee. Der Quasi-Duopol der beiden Unternehmen habe die Preise für Ersatzklingen künstlich hochgehalten, sagt Katz-Mayfield. Rund vier Dollar kostet die Klinge der Großen. Vielen Kunden ist das auch Jahre nach der Rezession zu teuer: 2013 wuchs das Geschäft gerade mal um magere 2,25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Harry’s sollen die Kunden sie für die Hälfte bekommen. Auch Branchenkenner glauben, dass das den innovationsarmen Markt aufrütteln könnte. "Sie könnten mit Schick und Gillette machen, was Trader Joe’s mit Whole Foods macht", sagt Howard Davidowitz, Chairman der Beratungsfirma Davidowitz & Associates in New York. Und verweist dabei auf die hippe grüne Aldi-Tochter, die dem teuren US-Marktführer im Bio-Segment derzeit das Leben schwer macht. 

Vor knapp 18 Monaten gründeten Raider und Katz-Mayfield Harry's. Ende 2013 begannen die Unternehmer, ihre Rasierer mit dem Slogan "designed in America, engineered in Germany" zu verkaufen. Die Firma setzt auf den Direktvertrieb über das Internet, eine enge Beziehung zum Kunden – und deutsche Wertarbeit. Denn die Rasierklingen, die im Schnitt halb so teuer sind wie bei der Konkurrenz, kommen aus der Klingenfabrik Feintechnik in Thüringen, einer Firma mit 93 Jahren Erfahrung. "Sie gehörten damals zu den wenigen, die an uns glaubten", erzählt Katz-Mayfield.