Die Kaufhauskette Karstadt hat einen neuen Eigentümer: Die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko übernimmt den angeschlagenen Konzern. Schon zu Beginn der kommenden Woche gehen alle 83 Häuser der Karstadt Warenhaus GmbH an Signa, teilte die Holding mit. Ein Kaufpreis sei nicht gezahlt worden.

Nicolas Berggruen, der Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen hatte, wird sich demnach komplett aus dem Unternehmen zurückziehen. "Wir machen den Weg frei für einen Neuanfang", teilte er mit. Berggruen gibt auch seine Minderheitsanteile an den Karstadt-Premiumhäusern und den Karstadt-Sport-Filialen ab.

"Wir sind bereits umfangreich bei Karstadt engagiert – somit war die komplette Übernahme der Karstadt Warenhaus GmbH angesichts der aktuellen Lage die logische Konsequenz", sagte Signa-Geschäftsführer Wolfram Keil. Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass Ruhe in den Konzern einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden.

Die Gewerkschaft ver.di und der Karstadt-Gesamtbetriebsrat forderten von Signa eine Strategie, um die Arbeitsplätze zu sichern. Benko müsse umgehend ein tragfähiges und nachhaltiges Zukunftskonzept für Karstadt vorlegen und zeigen, dass er bereit sei, ausreichend in das Unternehmen zu investieren, hieß es von ver.di. "Das Hin und Her in den Managementkonzepten muss endlich ein Ende finden", sagte ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Neben der Sicherung von Arbeitsplätzen gehe es auch darum, die Innenstädte durch die Karstadt-Häuser attraktiv zu halten.

Filialen auf regionale Kundenwünsche einstellen

Mit dem richtigen Konzept könne und werde Karstadt eine Zukunft haben, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hellmut Patzelt. Die Beschäftigten müssten in die Erarbeitung eines Zukunftskonzepts eingebunden werden – schließlich erlebten diese jeden Tag, welche Kundengruppen in die Häuser kämen, und was die Kunden wünschten. Außerdem müssten sich die einzelnen Filialen eigenständig auf die regional unterschiedlichen Kundenwünsche einstellen können.

Der Karstadt-Betriebsrat hatte sich schon vor Bestätigung der Übernahme positiv zu Signa geäußert. Mit Benko hätte Karstadt eine Zukunft, sagte Patzelt. "Wir haben Konzepte für mehr Regionalität und Variabilität, die sich ohne große Investitionen umsetzen ließen", sagte er. 

Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen. Damals war er von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden. Das änderte sich, als er es nicht schaffte, Karstadt zu sanieren. Arbeitnehmervertreter hatten ihm immer wieder vorgeworfen, nicht in das Warenhausgeschäft zu investieren. 2012 kündigte Karstadt den Abbau von rund 2.000 Stellen an. Im Frühjahr 2013 stieg das Unternehmen, das etwa 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, aus den regionalen Tarifverträgen für den Einzelhandel aus.

Mit der Übernahme gibt es erneut Spekulationen um eine Zusammenführung von Karstadt mit der Warenhauskette Kaufhof. Benko hatte sich in der Vergangenheit erfolglos um eine Kaufhof-Übernahme bemüht.