Die österreichische Signa-Gruppe des Immobilien-Investors René Benko wird neuer Eigentümer der Karstadt Warenhaus GmbH und deren 83 Filialen. Nach Informationen von Spiegel Online wird die Gruppe mit Beginn der kommenden Woche auch die neben der Premium- und Sportgruppe verbleibenden Warenhäuser von Karstadt übernehmen. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich damit vollständig aus dem Geschäft zurück.

Berggruen hatte Karstadt 2010 übernommen, aus der von ihm angekündigten Sanierung wurde jedoch bislang nichts. Im Geschäftsjahr 2011/12 machte die Kette gut 158 Millionen Euro Verlust. Medienberichten zufolge verfehlte die Kette auch für 2012/13 die Trendwende deutlich.

Die Gespräche zwischen den Berggruen Holdings und der Finanzgruppe Signa laufen seit einigen Wochen. Im vergangenen Herbst hatte Benko bereits 75,1 Prozent der operativen Geschäfte der Premium- und Sport-Gruppe übernommen. Spiegel Online schreibt nun, dass für den Verkauf kaum Geld geflossen sei – schon vor Wochen hieß es, Berggruen wolle seine Anteile loswerden – zur Not auch nur für einen Euro.

In Zusammenhang mit den Verhandlungen steht nach Informationen der Bild-Zeitung auch der überraschende Abgang von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach weniger als fünf Monaten an der Unternehmensspitze. Sjöstedt hatte Anfang Juli als Begründung angegeben, nicht die nötige Unterstützung von Berggruen erhalten zu haben, um ihre Strategie für die Kette umzusetzen.   

Benko einer der reichsten Österreicher

Was Benko mit dem Karstadt-Unternehmen vorhat, ist nicht bekannt. Medienberichten zufolge ist der gebürtige Tiroler einer der 100 reichsten Österreicher. Seine 1999/2000 gegründete Signa-Gruppe ist laut eigener Beschreibung auf Luxusimmobilien in internationalen Toplagen spezialisiert. Das Immobilienvermögen beträgt nach Firmenangaben mehr als sechs Milliarden Euro. Vor gut einem Jahr war es noch eine halbe Milliarde weniger. Das österreichische Wirtschaftsmagazin Trend bezifferte Benkos persönliches Vermögen auf rund 850 Millionen Euro.