Der 37-jährige Daniel Bahr übernimmt im Vorstand der Allianz Private Krankenversicherungs-AG ab 1. November die Leitung des sogenannten Leistungsmanagements. Das teilte der Mutterkonzern Allianz mit. Nach einer Einarbeitungszeit solle Bahr auch in den Vorstand der Allianz-Tochter berufen werden. Als "ausgewiesener Gesundheitsexperte" werde der FDP-Politiker und Ex-Gesundheitsminister die APKV unternehmerisch voranbringen, sagte Allianz-Vorstand Markus Rieß.

Bahr war von 2005 bis 2009 gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, als Gesundheitsminister entwickelte er den sogenannten Pflege-Bahr. Das ist eine private Zusatzversicherung für die Pflege, die auch von der Allianz angeboten wird. Der 37-Jährige, der zurzeit in den USA für eine auf Gesundheitspolitik spezialisierte Denkfabrik arbeitet, hatte sich zudem stets für die private Krankenversicherung stark gemacht.

Einen Interessenkonflikt mit seiner politischen Tätigkeit sieht der studierte Gesundheitsökonom nicht: "Meine Aufgabe ist es, Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen und nicht politische Entscheidungen zu beeinflussen", sagte Bahr der Süddeutsche Zeitung. Auch die Karenzzeit zwischen seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt im Dezember 2013 und der Übernahme des neuen Jobs sei aus seiner Sicht "hinreichend".

Bahr wird nicht als Lobbyist arbeiten

Bahr betonte, dass er nicht als Lobbyist tätig sein, sondern sich um die Verträge kümmern werde, die die Allianz mit Ärzten und Kliniken abschließt.

In den vergangenen Jahren sind mehrere Politiker in die Wirtschaft gewechselt. Zuletzt wurde bekannt, dass der frühere Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) ab 2015 beim Rüstungskonzern Rheinmetall arbeiten wird. Für Kritik sorgte auch der Wechsel des CDU-Politikers und Ex-Kanzleramtschefs Ronald Pofalla zur Deutschen Bahn.

Der Wechsel Bahrs bringt die schwarz-rote Bundesregierung nun zusätzlich unter Druck: Im Koalitionsvertrag ist angekündigt, dass die Bündnispartner eine angemessene Regelung von Karenzzeiten festlegen wollen. Bislang wurde das Vorhaben jedoch nicht in die Tat umgesetzt.