Einen "Schrei vor Glück" werden in wenigen Wochen wohl die wenigsten Zalando-Fans ausstoßen. Ein schriller Schrei ist laut Fernsehwerbung zwar das, was Einkäufern klassischerweise herausrutscht, wenn sie Pakete von Europas größtem Onlinemodeversand erhalten. Doch über den Erhalt von Zalando-Aktien werden sich wohl die allerwenigsten von ihnen freuen: Kleinanleger hat Zalando nicht im Visier.

Der Internet-Modehändler will noch im laufenden Jahr an die Börse gehen, kündigte er am Mittwoch an. Lange Zeit war über den Börsengang spekuliert worden, dann schien es, als zögere das Unternehmen. Nun will es die Chance und die positive Stimmung am Aktienmarkt nutzen und noch 2014 seine Papiere ausgeben.

Es könnte sogar schon im September oder Oktober so weit sein, wollen Finanzkreise erfahren haben. Und es wird der größte Börsengang hierzulande seit dem Platzen der Internetblase zur Jahrtausendwende. Rund 750 Millionen Euro an frischem Geld will Zalando von Investoren einsammeln. Das soll im Rahmen einer Kapitalerhöhung passieren, bei der rund zehn bis elf Prozent des Firmenwertes über die Börse platziert werden.

Samwer-Brüder als wichtigste Finanziers

Bisher pumpten vor allem Großinvestoren Geld in die Plattform. Anfangs beteiligten sich die drei Gebrüder Samwer (Oliver, Marc und Alexander) als Hauptgeldgeber an der Firma. Mit Klingeltönen, Onlineauktionshäusern und anderen Internet-Start-ups, die sie selbst bereits für Millionen an ausländische Konzerne verkauft hatten, sind sie zu den größten Internet-Finanziers hierzulande aufgestiegen. Bei Zalando waren sie schnell dabei, halten immer noch 17 Prozent am Unternehmen, haben aber inzwischen eine Reihe von Mitinvestoren mit ins Unternehmen geholt. 

Der größte Anteilseigner ist inzwischen die schwedische Risikokapitalbeteiligungsgesellschaft Kinnevik. Sie hat seit 2010 knapp 560 Millionen Euro in den Berliner Konzern investiert. Der dänische Milliardär Anders Holch Povlsen stieg vergangenes Jahr ebenfalls ein, genauso wie der russische Milliardär und Facebook-Investor Yuri Milner. Auch Holtzbrinck Ventures aus der gleichnamigen Verlagsgruppe (DIE ZEIT, ZEIT ONLINE) hält acht Prozent an Zalando. Weitere fünf Prozent sind in der Hand von Tengelmann. Durch die zehn bis elf Prozent des Eigenkapitals, die Zalando nun an die Börse bringen will, werden sich die Machtverhältnisse kaum ändern. Die bisherigen Investoren haben bereits angekündigt, auf einen Verkauf der eigenen Anteile und einen teilweisen Rückzug zu verzichten.

Gestartet mit Flip-Flops

Erst vor sechs Jahren haben die Gründer David Schneider und Robert Gentz den Onlineshop als Verkaufsplattform für Flip-Flops an den Markt gebracht. Inzwischen ist Zalando eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Internetbranche – und fast jedem Bundesbürger ein Begriff. Längst vertickt es nicht mehr nur Badelatschen, sondern 1.500 Fashionmarken von Anzug und Abendkleid bis zu Zopfpullovern und Ziersticksandalen. Es ist nach eigenen Angaben die am häufigsten besuchte Modeseite der Welt und sie machte rund zwei Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr – vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In insgesamt 15 Ländern ist der Online-only-Modeshop bereits unterwegs und er will in Europa weiter wachsen. So weit die Superlative.

Nur Supergewinne macht Zalando bisher nicht. Denn trotz – oder gerade wegen – des immensen Warenumschlags hat die Firma auch enorme Kosten. Das liegt auch an dem Werbeslogan, mit dem sie sich interessant gemacht hat: "Schrei vor Glück – und schick es zurück", das war das Versprechen, das der Onlineshop seinen Kunden gegeben hat, von Anfang an. Das Kalkül: Nur wenn die Kunden Kleidung und Schuhe nicht nur kostenlos bestellen und anprobieren, sondern auch problemlos wieder zurückschicken können, funktioniert das Geschäft mit der Mode aus dem Netz. Die Kunden nutzen das exzessiv: Jedes zweite Paket, das Zalando versendet, geht wieder ans Unternehmen zurück. Denn viele Kunden wollen nur gucken und probieren. Nicht behalten.