Deutlich mehr Unternehmen als bislang bekannt haben in Luxemburg ihre Steuerlast reduziert. Unter anderem hätten Disney und Skype Absprachen mit den Steuerbehörden des Großherzogtums getroffen, berichteten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Der US-Unterhaltungskonzern habe im Großherzogtum eine konzerninterne Bank gegründet, die ihre Gewinne mit weniger als einem Prozent versteuerte. Skype bekam demnach seit dem Jahr 2005 einen Steuerrabatt von bis zu 95 Prozent auf Lizenzeinnahmen.

Dabei sollen die weltweit größten Beraterunternehmen mit der Luxemburger Verwaltung zusammengearbeitet haben. Neben Pricewaterhouse-Coopers hätten den Dokumenten zufolge auch Deloitte, Ernst & Young sowie KPMG mit den Behörden kooperiert und sogenannte Advance Tax Agreements vermittelt. Dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) liegen 50 dieser Vereinbarungen für 35 Firmen vor. Die Beraterfirmen teilten mit, sich an die geltenden Gesetze zu halten.

Auch der Hygieneartikelhersteller Reckitt Benckiser (RB), an dem die deutsche Industriellenfamilie Reimann beteiligt ist, soll in Luxemburg massiv Steuern gespart haben. Der Konzern, zu dem Marken wie Calgon und Clearasil gehören, lasse über Luxemburg Milliardenkredite laufen, berichtete die Zeitung.

Das ICIJ hatte erstmals Anfang November darüber berichtet, dass Luxemburg gezielt Unternehmen mit Steuervorteilen ins Land gelockt hat. Berichte über Steuertricks sind vor allem für den neuen Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker misslich, weil er im Großherzogtum lange Premier und Finanzminister war. Er hatte sich deswegen nur drei Wochen nach seinem Amtsantritt einem Misstrauensvotum stellen müssen, dass die EU-kritischen Parteien Ukip und Front National beantragt hatten.