Dort treffen wir Gerald Wegmann, 50, Meister in der Endfertigung. Er zeigt auf ein langes U aus Werkbänken. Frauen in grünen Vorwerk-Shirts stehen davor. Die Schalen aus der ersten Halle laufen auf einem Band an ihnen vorbei. Sie setzen Kabel ein, den Motor, den Topf, die Elektronik. "Wir kommen mit der Produktion kaum hinterher", sagt Wegmann. Er macht ein etwas ratloses Gesicht, das nicht so recht zu seinem kompakten Auftreten, seinem festen Händedruck passen will. Schon eine verrückte Zeit gerade bei Vorwerk. Seit 33 Jahren ist er dabei, als Lehrling hat er mit 18 Jahren angefangen. Davor hat schon sein Vater hier gearbeitet und davor sein Großvater.

Etwa 1.250 Geräte verlassen jeden Tag die Hallen in Wuppertal. Damit es mehr werden, braucht Wegmann zusätzlich eine Nachtschicht und neue Mitarbeiter. Fast 100 wurden in jüngster Zeit schon eingestellt. "Am liebsten nehmen wir Leute mit einer Ausbildung im Handwerk, die meisten sind Frauen", sagt er.

Endmontage des Thermomix in einer Wuppertaler Fabrik von Vorwerk © Zacharias Zacharakis/ZEIT ONLINE

Demnächst wird Vorwerk noch mehr Leute einstellen müssen, vor allem wegen des Thermomix-Booms. Draußen auf dem Werksgelände klafft ein Loch in einer Halle, davor Gerüste, Planen. Der Unternehmenssprecher Michael Weber, stets freundlich, stets korrekt im Anzug, führt über das Werksgelände. "71 Millionen Euro", sagt er, "so viel haben wir dieses Jahr am Standort Wuppertal investiert. Nicht nur in die Produktion des Thermomix, auch in andere Produkte." Für die strukturschwache Region ist das Unternehmen einer der wichtigsten Arbeitgeber: 2.500 Menschen haben bei Vorwerk einen Job.

33 Prozent Wachstum in Deutschland

Zurück in der Montagehalle. Am Ende des Laufbands werden die Geräte für den Versand verpackt. Diese Fuhre geht nach Portugal. Vorwerk verkauft den Thermomix weltweit in 50 Ländern: Mexiko, Tschechien, Taiwan. 800 Millionen Euro Umsatz hat das Unternehmen mit dem Produkt im Jahr 2013 gemacht, 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Das sind Dimensionen, die man nicht unbedingt erwartet in einem Familienbetrieb.

Warum glauben so viele Menschen, dass sie den Thermomix brauchen? Vielleicht hat sich über die Jahrzehnte gar nicht so viel verändert bei Vorwerk. Die Kunden tauschen sich zwar mittlerweile auf Facebook und in allen möglichen Foren über die Rezepte und Produkte aus. Aber verkauft wird der Thermomix wie eh und je. Modernes Marketing? Fernsehwerbung? Viel zu teuer und zu wenig zielgerichtet. Vorwerk verlässt sich lieber auf seine weltweit mehr als 600.000 vor allem weiblichen Verkäuferinnen im Direktvertrieb. Sie sprechen Interessenten in ihrem persönlichen Umfeld an, im Freundes- und Verwandtenkreis. Nimmt man an einem Kochabend teil, fällt es schwer, Nein zu sagen.