Luft-zu-Luft-Betankung, 111 Tonnen Treibstoff an Bord, Transportraum für 300 bewaffnete Soldaten oder 45 Tonnen Ladung, auch ein Einsatz als fliegendes Lazarett ist möglich: Das Mehrzwecktank- und -transportflugzeug (MRTT) A330 von Airbus erfüllt gleich mehrere Wünsche der Militärs. Dieses Flugzeug gehöre zur neusten Generation, sei kampferprobt und einsatzbewährt, wirbt das Unternehmen. "Das ist das erfolgreichste Tankflugzeug auf dem Markt", sagt ein Sprecher von Airbus.

Auf den Rüstungsmessen gehört das Flugzeug zu den Rennern: Auf der Australian International Air Show, die Anfang März endete, präsentierte Airbus einen A330 MRTT der australischen Streitkräfte. Und ein Vertreter der australischen Luftwaffe hielt einen Vortrag über den erfolgreichen Einsatz der Maschine. Airbus wirbt intensiv für den neuen Typ – und hat damit Erfolg: Im vergangenen Jahr kündigte Katar auf der Waffenschau Dimdex in Doha an, zwei A330 MRTT zu kaufen.

Das Land am Golf orderte die gleiche Maschine, die auch schon seine Nachbarn bestellt hatten: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wollten das Tank- und Frachtflugzeug ebenfalls haben. Weitere Abnehmer sind Australien, Frankreich, Großbritannien und Singapur. 35 Bestellungen gingen bei Airbus für den A330 MRTT bislang ein. Mit Indien laufen momentan Verhandlungen. Das Land hat sich ebenfalls bereits für die Maschine aus Europa entschieden. Airbus sieht ein Marktpotenzial von bis zu 100 Maschinen.

Angriffe auf weit entfernte Ziele

Der europäische Konzern gehört neben Boeing zum größten Hersteller von Tankflugzeugen weltweit. Der A330 MRTT stellt die Weiterentwicklung einer erfolgreichen Verkehrsmaschine dar. Als Grundlage diente der A330-200, eines der am meisten verkauften Flugzeuge des Konzerns. Der A330 MRTT wird von Airbus Defence & Space vertrieben, der Rüstungstochter des Konzerns. Diese Maschinen versorgen Kampfjets in der Luft mit Treibstoff, verlängern deren Einsatzfähigkeiten und ermöglichen so Angriffe auf weit entferne Ziele.

Eine Grafik von Airbus zeigt, wie stark das Einsatzgebiet von Jets vom Typ Eurofighter mithilfe des A330 MRTT erweitert werden kann: Vom Nato-Stützpunkt Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen könnten vier Eurofighter mit einer Betankung unterwegs eine Distanz von 6.700 Kilometern zurücklegen.

Bislang verfügten nur wenige Staaten über solche Maschinen, aber der Käuferkreis wird immer größer: Dank dem A330 MRTT haben die Golf-Staaten die Reichweite ihrer modernen Flotte drastisch ausgeweitet – und damit auch die Einsatzszenarien. Längst setzen sie ihre Luftwaffen nicht mehr nur für die Landesverteidigung ein. Die Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate soll jüngst Stützpunkte in Libyen angegriffen haben. Und Saudi-Arabien, ein weiterer Abnehmer der Tank- und Transportmaschine, beteiligt sich an Luftangriffen auf Ziele in Syrien. Das Land zählt zur Koalition gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS). Die saudische Luftwaffe war vom A330 MRTT so angetan, dass die Regierung in Riad zu den bereits drei bestellten Maschinen drei weitere orderte.

Vielfache Kampfkraft

"Tankflugzeuge sind ein zentrales Element der Operationsführung in heutigen Luftkriegsoperationen beziehungsweise deren Stehzeit im jeweiligen Einsatzraum", stellt die Bundesregierung fest. Die Kampfkraft von Luftstreitkräften werde durch den Einsatz von Tankflugzeugen vervielfacht.

Für das Bundeskabinett in Berlin müsste es eine wichtige sicherheitspolitische Entscheidung sein, welcher Staat solche Technik erhält. Doch obwohl die Bundesrepublik mit gut zehn Prozent an Airbus beteiligt ist und deutsche Werke in die Produktion des A330 eingebunden sind, hält sich Berlin aus den Entscheidungen für Ausfuhren offiziell heraus: "Die Bundesregierung war für kein Land die den Export genehmigende Behörde für die Ausfuhr dieser Flugzeuge", heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei. "Die Genehmigung zur Ausfuhr erteilt das Land, aus dem das fertig gestellte Flugzeug ausgeführt wird."

Linke spricht von "Taschenspielertrick"

Fertig gebaut wird der Tanker in Spanien. Innerhalb der Airbus-Gruppe sind die Zentrale in Madrid und ein Werk in Getafe für das bei Militärs begehrte Tank- und Transportflugzeug zuständig. In Getafe, in der Nähe der Hauptstadt, werden zivile A330 zu Militärmaschinen umgerüstet. Teile wie der vordere und der hintere Rumpf des Flugzeugs kommen aus den Airbus-Werken in Hamburg, Stade und Bremen. Die Bundesregierung behandelt die A330-Teile, die später in dem MRTT verbaut werden, nicht als Rüstungsgüter. Damit sind die Ausfuhren nicht genehmigungspflichtig. Deutsche Behörden sind in die Exporte der Maschinen auf die arabische Halbinsel und an andere Staaten nicht eingebunden.

Das sorgt für scharfe Kritik bei der Linkspartei. "Es ist ein übler Taschenspielertrick der Bundesregierung, diese Tankflugzeuge als zivile Flugzeuge zu klassifizieren, nur weil in einem anderen Land später die Betankungsanlagen eingebaut werden", sagt Jan van Aken, Rüstungsexperte der Linken. "Fakt ist, diese Tankflugzeuge sind militärische Flugzeuge, nichts anderes. Und wenn Deutschland diese Militärflugzeuge mitbaut, dann müssen diese im Rechenschaftsbericht der Bundesregierung auftauchen, alles andere ist Täuschung." Bei Empfängerländern wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sei die Bundesregierung in Erklärungsnot.

Das für Exporte zuständige Bundeswirtschaftsministerium sieht das anders. Es teilt kurz angebunden mit, dass keine Erkenntnisse über Ausfuhren vorliegen – auch nicht über Spanien oder Frankreich. Airbus versichert, selbstverständlich alle notwendigen Genehmigungen einzuholen und bestätigt, dass deutsche Behörden nicht involviert sind. "Für die zivilen Teile brauchen wir keine Exportgenehmigung."

Erst in Spanien kämen militärische Komponenten in die Maschinen. Dem Verkauf des Tankflugzeugs dürfte es nicht schaden, dass so nicht die strengen deutschen Regeln für Ausfuhren greifen: Die saudische Regierung hat sich jüngst bei Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel über die schleppende Zusammenarbeit bei Rüstungsexporten beschwert. Beim A330 MRTT gab es keine Probleme mit Berlin: Die Bundesregierung erklärt sich einfach für nicht zuständig.