"Galvanize" steht auf dem Gebäude in der Tahoma Street im SoMa-Viertel in San Francisco, South of Market. Hier, im Zentrum der Startup-Szene, empfängt mich Alaina Percival. Die ist die Geschäftsführerin eines Startups im 4. Stock. Es ist ein besonderes Business: Das Geschäft von Women Who Code ist Emanzipation. Ihr geht es darum, die Zahl der Frauen in den technischen Berufen im Silicon Valley zu erhöhen.

In dem Haus können aufstrebende Tech-Gründer ihre ganze Karriere verbringen: Zuerst mieten sie einen Sitzplatz, später einen ganzen Schreibtisch und dann vielleicht ein eigenes Büro. Im Erdgeschoss gibt es Kaffee, hip aussehende junge Menschen in Sesseln oder mit Laptop am Tresen.

Silicon Valley, das sich so liberal und tolerant gibt, hat ein Frauenproblem. Auch wenn hier im Hause viele Frauen in den Start-ups arbeiten, machen sie bei den Programmierern und Software-Ingenieuren nur ein knappes Viertel aus. Wenn der Code das neue Gesetz ist, wie es Internet-Visionär Lawrence Lessig einmal gesagt hat, dann ist die überwiegende Mehrheit der neuen Gesetzgeber also männlich.

In keiner Branche sind die Frauen so unterrepräsentiert, schlimmer noch: ihr Anteil sinkt. Es kommen nicht genügend Studentinnen nach – und das in einer Branche, die nach Arbeitskräften sucht und die Zahl der Jobs bis 2020 verdoppeln will. Etwa 80 Prozent der technischen Mitarbeiter von Google, Facebook und anderer Tech-Firmen sind männlich. Und in einem Ranking von 15 amerikanischen Städten, deren Tech-Firmen Frauen die besten Bedingungen bieten, tauchen weder San Francisco noch Palo Alto oder eine andere Stadt im Silicon Valley auf.

Alaina Percival ist 34, sie stammt aus dem Südstaat Georgia und ist selbst keine Programmiererin. In der Schule war sie in Mathematik allerdings besser als in Sprachen. "Aber niemand sagte mir damals: Alaina, dein Vater war auf der Georgia Tech, warum bewirbst du dich nicht da?" Stattdessen studierte sie Marketing, war drei Jahre bei Puma in Deutschland, dann bei mehreren kleinen Firmen in San Francisco.

Um in der Startup-Szene Fuß zu fassen, belegte sie einen Programmierkurs und bastelte eine kleine App für Smartphone. Im Herbst 2011, kurz nachdem Women Who Code gegründet worden war, begann sie, dort als Freiwillige mitzuarbeiten. Als dann die Firma, bei der sie angestellt war, an Yahoo verkauft wurde, sah sie die Chance, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und aus der lockeren Initiative eine Firma. Gemeinnützig war, aber auch ein Business.

"Das ist hier eine Organisation, die Frauen gute Karrierechancen eröffnen soll – da kann ich von meinen Mitarbeiterinnen nicht erwarten, umsonst zu arbeiten", sagt Perival. Women Who Code bietet kostenlose Programmierkurse an, vernetzt Frauen in der Tech-Industrie, veranstaltet Seminare und Konferenzen. Das Netzwerk umfasst 25.000 Frauen in 15 Ländern, organisiert 500 Veranstaltungen pro Jahr.

Percival hat als Ziel ausgegeben, innerhalb ihres ersten Jahres als Chefin eine Million Dollar an Sponsoren einzuwerben. Die Hälfte des Jahres ist rum und das Unternehmen liegt im Plan.