Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn treffen sich einem Bericht zufolge in den kommenden Tagen. Dabei werde es auch um eine Aussagen Piëchs gehen, mit der er große Aufregung im VW-Konzern ausgelöst hat, berichtet das Handelsblatt. Der Aufsichtsratschef hatte gesagt: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Branchen-Beobachter werten dies als eine Abkehr Piëchs von seinem Vorstandschef und einen beginnenden Machtkampf um die Konzernspitze.

Bisher galten – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – Piëch und Winterkorn als Partner. Die beiden Manager führten das Zwölf-Marken-Reich VW als eingespieltes Tandem. Das Vertrauen Piëchs in Winterkorn scheint nun jedoch erschüttert zu sein. Die Motive für Piëchs Handeln allerdings sind unklar. Spekuliert wird über sachliche Gründe wie Probleme von VW auf dem wichtigen US-Markt oder die Renditeschwäche der Kernmarke, aber auch persönliche Gründe – etwa, dass Winterkorn Piëch zu mächtig und selbstbewusst geworden ist.

Piëch hat mit kurzen Sätzen, transportiert über die Medien, schon mehrere Manager-Karrieren beendet. VW wird straff geführt. Piëchs Wort ist dabei Gesetz, zumindest bisher. Der Porsche-Enkel und VW-Großaktionär gilt als das VW-Machtzentrum.

Volkswagen gehört mehrheitlich den Familien Piëch und Porsche. Im Aufsichtsrat mit 20 Mitgliedern haben sie aber keine eigene Mehrheit und sind etwa auf Unterstützung des Landes Niedersachsen als Großaktionär angewiesen. Für seinen Vorstoß bekam Piëch allerdings auch von der Familie Porsche keine öffentliche Unterstützung. VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hatte am Sonntag Piëchs Verhalten kritisiert.

Arbeitnehmerseite hält an Winterkorn fest

Auch VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh unterstützt Winterkorn offenbar. Er vertritt die Arbeitnehmerseite, die die Hälfte der 20 Sitze im Aufsichtsrat besetzt. Osterloh sagte: "Wir haben eine klare Haltung, an der sich nichts geändert hat: Wir haben mit Dr. Winterkorn den erfolgreichsten Automobilmanager an Bord." Das Rekorde-Sammeln unter seiner Ägide sei beispiellos. "Wenn es nach uns geht, wird sein Vertrag über 2016 hinaus verlängert."

Das Land Niedersachsen wird im Aufsichtsrat von Regierungschef Stephan Weil (SPD) und seinem Parteigenossen und Wirtschaftsminister Olaf Lies vertreten. Auch Weil äußerte sich kritisch: "Ich bin unangenehm überrascht über die zitierten Aussagen von Herrn Professor Piëch." Er halte eine öffentliche Diskussion über die Spitzen von VW für schädlich.

Die nächste Sitzung des Aufsichtsrats ist am 4. Mai geplant. Es dürfte hoch hergehen. Einen Tag später findet die Hauptversammlung des Konzerns statt. Dann sitzen der Chef des Kontrollgremiums und der Vorstandsvorsitzende gemeinsam auf der Bühne vor den Aktionären.