An diesem Freitag will sich die Spitze des Automobilkonzerns Volkswagen zur Führungskrise des Unternehmens äußern. Am Donnerstag war der engste Kreis des Aufsichtsrats zu einer Sondersitzung in Salzburg zusammengekommen, um über einen Ausweg zu beraten. Konzernchef Martin Winterkorn steht unter Druck, nachdem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch überraschend von ihm abgerückt ist. Die Spekulationen über einen möglichen Nachfolger laufen längst: Wer könnte neuer VW-Vorstandsvorsitzender werden?

Der Porsche-Mann: Matthias Müller
Als ein aussichtsreicher Kandidat gilt der bisherige Porsche-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller. Der 61-jährige Chef der Sportwagen-Tochter von VW ist seit bald vier Jahrzehnten im Konzern. Er lernte bei Audi in Ingolstadt Werkzeugmacher und kehrte nach einem Informatikstudium dorthin zurück. Als Produktmanager brachte er dort den heutigen Verkaufsschlager Audi A3 auf den Markt. 

Als Winterkorn 2007 als Chef von Audi an die VW-Spitze wechselte, ging Müller mit nach Wolfsburg, wo er die Produktstrategie des Konzerns bestimmte. Nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche, die schließlich mit der Unterordnung von Porsche als zwölfte Marke des Konzerns endete, übernahm er 2010 die Porsche-Führung. Nach Audi ist der Sportwagenhersteller der zweitgrößte Gewinnbringer des Konzerns – im ersten Quartal lieferte Porsche erstmals mehr als 50.000 Fahrzeuge aus. Müller gehört seit Februar auch dem VW-Vorstand an.

Der Chefentwickler: Ulrich Hackenberg
Gute Chancen auf den Spitzenposten werden auch Ulrich Hackenberg eingeräumt, dem bisherigen Chefentwickler des Audi- und VW-Konzerns. Der Maschinenbau-Professor hat als Techniker in der Autobranche einen ausgezeichneten Ruf. Er kam 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi zu VW. In einer Doppelfunktion soll Hackenberg seit 2013 neben der Leitung der Entwicklung im Konzern die Premiumtochter wieder zum Innovationsmotor machen. Experten sehen in dieser Rolle derzeit eher den Konkurrenten BMW. 

Der oft nur kurz Hacki genannte Manager hat die Baukastentechnik entwickelt, mit der über einheitliche Fahrzeugteile die Produktionskosten gesenkt werden sollen. Hackenberg wird im Mai 65 Jahre alt. Das mag aus Sicht des 77-jährigen Piëch kein Rentenalter sein, doch käme er deshalb aber vielleicht nur als Übergangschef infrage.

Der Škoda-Macher: Winfried Vahland
Als weiteren Kandidaten auf der Favoritenliste führen viele den bisherigen Škoda-Chef Winfried Vahland. Der öffentlich kaum bekannte Westfale hat die tschechische Tochter zum Erfolg gemacht. Die Marke mit dem Flügel-Pfeil im Logo macht dank aufpoliertem Design bei günstigen Preisen der Kernmarke VW Konkurrenz.

Meriten hat sich Vahland auch vor zehn Jahren in China verdient, wo er frühzeitig im Autoboom die Basis für einen Erfolg von Volkswagen auf seinem wichtigsten Markt legte. Der 58-jährige Maschinenbauer und Betriebswirt ist in der Wolfsburger Zentrale gut vernetzt und hoch angesehen.

Der Hoffnungsträger: Herbert Diess
Ein Neuling in Wolfsburg ist dagegen Herbert Diess, der künftige VW-Markenchef. Der 56 Jahre alte Münchner kommt am 1. Juli von BMW zu Volkswagen und soll dort von Winterkorn die Führung der schwächelnden Hauptmarke VW übernehmen. Diess gilt als knallharter Kostendrücker, der Sparprogramme kompromisslos gegen Kritik der Belegschaft durchdrückt. 

Bei BMW rückte der promovierte Maschinenbau-Ingenieur nach rund zehn Jahren 2007 in den Vorstand als Einkaufschef auf, um mit Milliardeneinsparungen die Rendite hochzutreiben. Unter Zulieferern war Diess als harter Verhandler gefürchtet. Zeitweise galt er als möglicher Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer, doch dazu wurde dann Produktionschef Harald Krüger bestimmt.

Der Aufsteiger: Andreas Renschler
Führungsambitionen werden auch Andreas Renschler nachgesagt, dem Chef der Lkw-Sparte von Volkswagen. Renschler war viele Jahre Daimler-Manager in Stuttgart und soll 2014 gegangen sein, weil ihm die fehlende Perspektive auf den Chefsessel gefehlt habe. Bei Volkswagen arbeitet er seit Februar als Nutzfahrzeug-Vorstand an einer Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania. 

Dem 57-jährigen Wirtschaftsingenieur fehlt allerdings die VW-Hausmacht. Darüber hinaus muss er zunächst in der Nutzfahrzeug-Sparte viele Probleme lösen, sodass er womöglich erst nach einer Übergangszeit als oberster Lenker des Volkswagen-Imperiums infrage käme.