Die Deutsche Bank trennt sich von ihrer Mehrheit an der Postbank. Das habe der Aufsichtsrat nach einer mehrstündigen Sondersitzung einstimmig beschlossen, teilte das Unternehmen mit. Möglich ist demnach ein Komplettverkauf oder auch die Platzierung größerer Aktienpakete an der Börse. Der Anteil solle in jedem Fall auf mindestens unter 50 Prozent verringert werden, sagte ein Sprecher.

Einschnitte solle es auch im Investmentbanking geben. Details der Umstrukturierung will Deutschlands größte Bank am Montag veröffentlichen.  

Die Schrumpfkur ist eine Reaktion auf strengere Kapitalanforderungen der Aufseher weltweit. Zudem hofft das Deutsche-Bank-Management, als verkleinertes Unternehmen wieder dauerhaft profitabler zu werden.

Gewerkschaft dringt auf Kündigungsschutz

Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, will jetzt in den weiteren Verhandlungen den Kündigungsschutz durchsetzen, für den Hunderte Postbanker seit Wochen auf die Straße gehen. "Der nächste anstehende Schritt für ver.di ist jetzt, Beschäftigungssicherheit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Konzern zu schaffen und den Verzicht auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen durchzusetzen", erklärte Bsirske.

Seit Jahren schwankt die Deutsche Bank zwischen dem Anspruch, eine Universalbank mit relevantem Privatkundengeschäft sein zu wollen, und dem Problem einer damit einhergehenden geringeren Rendite. Deshalb konzentrierte sich die Bank in den 2000er Jahren auf die besonders gewinnträchtigen Kapitalmarktgeschäfte – bis die Finanzkrise ausbrach. Dann besann sich der damalige Konzernchef Josef Ackermann wieder auf das sicherere Massengeschäft mit Kleinsparern und stieg ab Herbst 2008 bei der Postbank mit rund 14 Millionen Kunden ein, die die Deutsche Bank 2010 fast komplett übernahm.

Teures Filialgeschäft

Doch damit erkaufte sich die Deutsche Bank auch Nachteile. Das Filialgeschäft bringt hohe Kosten mit sich, die Erträge waren lange eher mäßig. Zwar besserte sich die Lage, doch mittlerweile bereitet die anhaltende Niedrigzinsphase wieder Probleme: Im Privatkundengeschäft machen Banken vor allem ihren Gewinn durch die Differenz zwischen Einlagen- und Kreditzinsen, doch die Spanne ist mittlerweile gering. Bei der Postbank kommt hinzu, dass sie vor allem in der Baufinanzierung stark ist – dieses Geschäft ist für die Risikobewertung des Gesamtkonzerns belastend.

Mit der Abstoßung der Postbank schrumpft die Deutsche Bank zwar erheblich, steht dann aber wieder besser da. Zumal sie damit die strengeren Vorgaben der Bankenaufsicht erfüllen kann. Die entscheidende Größe ist hier das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme: Die Quote beträgt bei der Deutschen Bank aktuell 3,5 Prozent – damit gehört sie weltweit zu den Schlusslichtern. US-Banken kommen auf Quoten von über fünf Prozent, und auch die Londoner Großbank HSBC kommt immerhin auf 4,8 Prozent.

Bilanzsumme soll sinken

In diesen Bereich will auch die Deutsche Bank kommen; eine deutlich geringere Bilanzsumme – die Postbank macht fast zehn Prozent aus – würde die Quote nach oben treiben. Zwei Kapitalerhöhungen im April 2013 und im Juni 2014 brachten ihr zwar mehr als zehn Milliarden Euro ein, doch wegen Rechtsstreitigkeiten musste sie zugleich viel Geld für Strafzahlungen und Vergleiche ausgeben.

Kurzfristig wird auch die Abspaltung der Postbank der Deutschen Bank Geld kosten. Aktuell steht die "gelbe Bank" mit rund sechs Milliarden Euro in den Büchern des Konzerns, doch Branchenkenner taxieren sie eher auf drei Milliarden Euro. Dadurch stehen der Deutschen Bank Milliardenabschreibungen bevor. Lohnen dürfte sich die Trennung von der Postbank am Ende trotzdem.

Ähnlicher Weg wie Ende der 1990er

Damit beschreitet die Deutsche Bank einen Weg, den sie in Deutschland schon vor gut 15 Jahren einmal gegangen war: Ende der 1990er Jahre gliederte sie das Geschäft mit einfachen Privatkunden in die Deutsche Bank 24 aus und fokussierte sich selbst auf gehobene Privat- sowie Firmenkunden, Vermögensverwaltung und Investmentbanking. Dann scheiterte aber die geplante Fusion mit der Dresdner Bank, und das Projekt DB24 wurde wieder begraben – auch weil die Bank das Einlagengeschäft als wichtige Refinanzierungsquelle wieder entdeckte.

Hinter der jetzigen Neustrukturierung steckt Stefan Krause, Finanzvorstand der Deutschen Bank. Der 52-Jährige, seit 2008 beim Finanzkonzern, hatte in den vergangenen Monaten mehrere Varianten für die Zukunft der Deutschen Bank entworfen. Er wird in den nächsten Jahren als künftiger Strategiechef auch derjenige sein, der die Neuaufstellung unter den Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen umsetzt.