Im Machtkampf bei Volkswagen gerät Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch weiter unter Druck. Einem Bericht des Spiegel zufolge sind mehrere der insgesamt 20 Mitglieder des Kontrollgremiums der Meinung, er sei als Aufsichtsratsvorsitzender des VW-Konzerns nicht mehr tragbar. Vergangenes Wochenende hatte die Bild am Sonntag ein Aufsichtsratsmitglied zitiert, wonach gar "die Mehrheit" gegen Piëch sei.

Vor zwei Wochen war Piëch öffentlich von Winterkorn abgerückt. Am Mittwoch trafen sich die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche auf Drängen Piëchs zu einer Aussprache in Stuttgart, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Dort soll Piëch um Unterstützung für seinen Plan geworben haben, Porsche-Chef Matthias Müller oder Škoda-Chef Winfried Vahland als Nachfolger von Winterkorn durchzusetzen. Es gebe Versuche, den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums vom vergangenen Freitag zu unterlaufen, wurden Personen zitiert, die angeblich mit der Sache vertraut sind.

Die VW-Zentrale hatte zuvor mitgeteilt, die Festlegung auf Winterkorn gelte nach wie vor: "Das Aufsichtsratspräsidium hat am Freitag eine Erklärung abgegeben, der nichts hinzuzufügen ist", sagte ein VW-Sprecher. Das Präsidium habe festgestellt, dass Winterkorn "der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen" sei. Zudem solle im Februar 2016 vorgeschlagen werden, Winterkorns Vertrag zu verlängern. Er endet am 31. Dezember 2016.

Laut Spiegel hat Piëch nach Informationen aus dem Konzern Porsche-Chef Müller aber noch Anfang dieser Woche gebeten, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden bereit zu halten. Dies wäre ein klarer Verstoß gegen den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums.

Am Donnerstag hatten die dpa, der NDR und die Welt zudem übereinstimmend berichtet, Piëch versuche, die Ablösung von Vorstandschef Martin Winterkorn noch vor der VW-Hauptversammlung am 5. Mai zu betreiben. Piëch hatte dies dementiert. "Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht", sagte der 78-Jährige der Bild-Zeitung.