Ferdinand Piëch hat Geburtstag. Der Aufsichtsratschef von Volkswagen wird an diesem Freitag 78 Jahre alt. Doch die Blumen bekam nicht er, sondern der von ihm öffentlich attackierte Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Das Präsidium des Aufsichtsrats der Volkswagen AG stellte schriftlich fest, dass der 67-jährige Schwabe "der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist". Deutlicher konnte die Abfuhr für den mächtigen Familienpatriarchen nicht ausfallen.

Das ist ein herber Rückschlag für Piëch. Und das ist gut so. Der brachiale Stil des Porsche-Enkels, seinen obersten Manager via Interview zu desavouieren, darf nicht zum Vorbild für den Umgang in deutschen Führungsetagen werden. Piëch, der selbst eines von sechs Mitgliedern des Präsidiums ist, konnte sich in der eilig einberufenen Krisensitzung des Gremiums in Salzburg nicht durchsetzen. Sowohl die beiden anderen Vertreter der Kapitalseite, Piëchs Cousin Wolfgang Porsche und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, als auch die drei Arbeitnehmervertreter, mit Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber und dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh an der Spitze, stellten sich auf die Seite Winterkorns.

Wundern darf sich "der Alte", wie Piëch im Unternehmen genannt wird, darüber nicht. Schließlich hatte er alle anderen Aufsichtsratsparteien mit seinem nicht abgestimmten Vorpreschen kräftig vor den Kopf gestoßen. In dem jetzt veröffentlichten Statement des Präsidiums heißt es sogar, man werde dem Aufsichtsrat in seiner Februar-Sitzung im Jahr 2016 vorschlagen, Winterkorns Vertrag noch einmal zu verlängern. Der liefe 2016 aus, in dem Jahr würde Winterkorn 69 Jahre alt.

Es muss Ruhe einkehren

Der Zweck der Erklärung ist klar: Die Aufsichtsräte versuchen damit erst mal wieder Ruhe herzustellen – im Unternehmen wie auch in der öffentlichen Diskussion. Klar ist aber auch, dass das nicht so einfach gelingen kann. Winterkorn steht bis zum kommenden Februar unter intensiver Beobachtung: Er muss zeigen, dass er bei den offenkundigen Baustellen im Konzern – etwa der mageren Rendite bei der Stammmarke VW oder dem flauen Absatz im wichtigen US-Markt – Fortschritte erzielt. Jede weitere Verzögerung bei der Lösung der Probleme, jeder Fehler wird ihm unweigerlich vorgehalten – und das nicht nur von Herrn Piëch.

Die Aufsichtsräte müssen sich zugleich fragen lassen, ob es angesichts der Umbrüche in der Automobilbranche nicht höchste Zeit ist, die nächsten Monate zu nutzen, um die Nachfolge zu regeln. Den Vertrag eines Managers zu verlängern, der dann auf die 70 zugeht, zeugt nicht von personeller und strategischer Weitsicht. Die Zeit der alten Männer an der Konzernspitze kann nicht ewig dauern – im Vorstand und im Aufsichtsgremium. Ein Generationswechsel ist überfällig.

Und was Herrn Piëch anbelangt: Er hat in seinem Leben oft genug bewiesen, dass er sich auch durch eine Niederlage nicht von seinen Zielen abbringen lässt. Ein Beispiel: Als er Anfang 2006 den damaligen VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder ablösen wollte, blockten seine damaligen Aufsichtsratskollegen ab und verlängerten sogar dessen Vertrag um weitere fünf Jahre. Ein halbes Jahr später musste Pischetsrieder dann doch gehen – und Martin Winterkorn wurde Vorstandschef.