Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Post um kürzere Arbeitszeiten spitzt sich zu. In der vierten Verhandlungsrunde lehnte Ver.di ein neues Angebot der Arbeitgeber als unzureichend ab. Die Verhandlungen wurden daraufhin abgebrochen. Über den Fortgang soll jetzt die Tarifkommission entscheiden. Ver.di kündigte zugleich für die kommende Woche bundesweite Streikmaßnahmen an. 

Die Personalchefin der Post, Melanie Kreis, reagierte mit Unverständnis auf die ablehnende Haltung der Gewerkschaft. "Wir haben aus unserer Sicht ein sehr solides Angebot vorgelegt und sind enttäuscht, dass dieses in Bausch und Bogen zurückgewiesen wurde." Das Management hatte unter anderem angeboten, den Kündigungsschutz um drei Jahre bis Ende 2018 zu verlängern und den 24. und 31. Dezember wieder als arbeitsfreie Tage einzuführen. Daraus ergebe sich insgesamt eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.

Die Gewerkschaft fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeiten von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Post lehnt diese Forderungen ab. Ver.di-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis sagte. "Mit ihrem Angebot verschärft die Post den Tarifkonflikt. Das werden die Beschäftigten nicht hinnehmen." Statt Schutz und Perspektive gebe es mehr Unsicherheit, sagte Kocsis. Nun stünden die Zeichen auf Sturm.

Die Post rief die Gewerkschaft mit Blick auf die erneut anstehenden Warnstreiks dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Hintergrund des Tarifstreits ist die Gründung von regionalen Firmen in der Paketzustellung. Darin sieht Ver.di einen Verstoß gegen tarifvertragliche Vereinbarungen.

In der vierten Tarifrunde hatte die Gewerkschaft zudem ihre Vorstellungen zu den Entgelten des ebenfalls neu zu verhandelnden Haustarifvertrages auf den Tisch gelegt. Dabei sorgte die Forderung von 5,5 Prozent mehr Geld für die 140.000 Beschäftigten für weiteren Ärger. Die Post wies die Forderungen als realitätsfern und unfinanzierbar zurück. Über diesen Tarifkomplex wollen Post und Ver.di nun am 20. und 21. Mai in Bonn verhandeln. Ob dabei auch das Thema Arbeitszeitverkürzung erneut auf den Tisch kommt oder ausgeklammert bleibt, ist nicht klar.