Siemens baut in Ägypten neue Gas- und Windkraftwerke im Wert von rund acht Milliarden Euro und verbucht damit den bisher größten Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Die Verträge wurden während des Besuchs von Ägyptens Präsident Abdel Fattah Al-Sissi im Beisein von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterzeichnet, wie Siemens mitteilte. Die Regierung Al-Sissis ist wegen Menschenrechtsverletzungen umstritten.

"Mit diesen noch nie dagewesenen Verträgen unterstützen Siemens und seine Partner die wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Eine Absichtserklärung für die Projekte hatte Siemens bereits im März unterzeichnet. Die Order umfasst die Lieferung von zwölf Windparks; für die Fertigung der Rotorblätter würden in der Region bis zu 1.000 Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen. Dazu kommt der Bau von drei Gaskraftwerken.

Aufträge für solche Kraftwerke mit modernen Gasturbinen bekommt Siemens derzeit nur im Ausland, in Europa und speziell in Deutschland herrscht auf diesem Markt Flaute. Siemens plant daher einen weiteren Abbau Tausender Arbeitsplätze, allein 2.200 davon in Deutschland. Am kommenden Dienstag plant die IG Metall einen bundesweiten Aktionstag mit Protesten gegen die Stellenstreichungen, von denen vor allem der Standort Mülheim in Nordrhein-Westfalen sowie Berlin betroffen sind.

Politisch war Al-Sissis Besuch in Berlin weniger erfolgreich als wirtschaftlich: Seine Pressekonferenz mit Angela Merkel endete in einem Eklat, als eine als Journalistin akkreditierte Frau ihn als "Mörder" beschimpfte. Vor dem Bundeskanzleramt, in dem die Pressekonferenz stattfand, waren Anhänger und Gegner von Al-Sissis Politik aneinandergeraten. Die Polizei musste einschreiten. Angela Merkel hatte die vielen Todesurteile in Ägypten scharf kritisiert.