Zwei Tage nach der Rücktrittsankündigung von Jürgen Fitschen und Anshu Jain an der Spitze der Deutschen Bank soll es in Frankfurt erneut eine Razzia gegeben haben. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurde am Dienstagmorgen die Zentrale der Bank durchsucht. Rund 30 Beamte und zehn Polizeiautos seien in der Frankfurter Innenstadt angerückt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.  

Die Deutsche Bank hat die Durchsuchungen ihrer Zentrale bestätigt. Mitarbeiter würden nicht beschuldigt, sagte ein Sprecher. Die Razzia richtet sich nach Angaben des Instituts gegen dubiose Geschäfte einzelner Kunden. "Die Durchsuchung zielt darauf ab, Beweismittel im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Kunden in Bezug auf bestimmte Wertpapiertransaktionen sicherzustellen", sagte der Sprecher.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wollte sich zu den konkreten Vorwürfen zunächst nicht äußern. Man führe "in einem laufenden Verfahren prozessuale Zwangsmaßnahmen" durch, sagte ein Justizsprecher. Zu Gegenstand und Umfang der Ermittlungen könne die Behörde nichts sagen, weil "die operative Phase" noch laufe. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Vorgänge bei der Privatbank Sal. Oppenheim, die das Institut 2010 geschluckt hatte, Grund für die Razzia seien.

Die Deutsche Bank steht wegen mehrerer Skandale im Visier der Ermittlungsbehörden. Mehrfach wurde das Institut zuletzt durchsucht – beispielsweise wegen mutmaßlichen Prozessbetrugs im Kirch-Schadensersatzprozess und der Betrugsaffäre beim Handel mit CO2-Emissionsrechten.     

Parallel zu den Ermittlungen müssen sich heute vor dem Landgericht München der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, zusammen mit seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weiteren Ex-Managern der Deutschen Bank wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch verantworten. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Rücktrittsankündigung äußerte sich Fitschen nicht zu den Gründen für seine Entscheidung.