Mehrere große Textilunternehmen sowie die Spitzenverbände von Handel und Industrie sind dem Textilbündnis von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) beigetreten. Unter den neuen Mitgliedern befinden sich nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter anderem adidas, Aldi Nord und Süd, C&A, H&M, Kik und Tchibo. Müller hatte das Bündnis im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um die Produktionsbedingungen in den Herstellerländern zu verbessern.

Das ambitionierte Vorhaben des Ministers war im Oktober 2014 allerdings holprig gestartet. Fast alle großen Unternehmen und die Handelsverbände hatten ihre Teilnahme abgesagt. Vertreter der Textilwirtschaft überarbeiteten daraufhin zusammen mit dem Ministerium die Bedingungen des Bündnisses und einigten sich Ende April auf einen gemeinsamen Aktionsplan. Kritiker bemängeln, dass der Anspruch des Bündnisses dadurch nach unten geschraubt wurde.

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth bezeichnete den Aktionsplan dagegen als "ambitioniert". Er ermögliche nun "einen breiten Beitritt der Wirtschaft". Genth hob zudem den "positiven Geist" hervor, in dem die Verhandlungen mit den Mitgliedern des Bündnisses stattgefunden hätten. Die Unterzeichner sähen das Textilbündnis als Anfang eines internationalen Prozesses. Die ursprüngliche Version des Textilbündnisses hatte der HDE im Oktober noch als "unrealistisch" abgelehnt.

Die problematischen Bedingungen in der Textilindustrie in einigen Ländern sind seit Langem bekannt. Immer wieder gibt es schwere Unglücke und Arbeitsunfälle. Enormer Leistungsdruck, schlechte Bezahlung und Arbeitsrechtsverletzungen gehören zum Alltag vieler Näherinnen. Für weltweite Schlagzeilen sorgte der Einsturz eines Fabrikkomplexes in Bangladesch, bei dem im April 2013 mehr als 1.100 Menschen starben. Zahlreiche westliche Firmen hatten in dem Gebäude Kleider nähen lassen.