Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2015 fast ein Fünftel weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag nach Konzernangaben bei 890 Millionen Euro. Das sind gut 18 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2014. 

Der Umsatz stieg leicht auf rund 20 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr will die Bahn internen Unterlagen zufolge einen Gewinn von zwei Milliarden Euro erzielen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ursprünglich waren 2,2 Milliarden geplant. Die Verschuldung könnte 2015 weiter auf bis zu 18 Milliarden Euro steigen. "Mit dem Ergebnis des ersten Halbjahrs können wir nicht zufrieden sein", sagte Finanzvorstand Richard Lutz. Man sei aber zuversichtlich, im Gesamtjahr noch ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von zwei Milliarden Euro erreichen zu können.

Als Ursache macht die Bahn vor allem die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL aus. Der wirtschaftliche Schaden der Streiks beziffere sich in den Jahren 2014 und 2015 auf insgesamt rund 500 Millionen Euro, sagte Bahnchef Rüdiger Grube. Die GDL hatte innerhalb von neun Monaten neun Mal gestreikt, davon gab es drei mehrtägige Ausstände im April und im Mai.

Als weitere Faktoren nannte die Bahn Unwetter und vergleichsweise günstige Benzinpreise. Und auch Mitfahrplattformen und insbesondere die neue Konkurrenz der Fernbusse hatten einen Einfluss: Durch günstige Preise machen sie der Bahn Kunden streitig. Im ersten Halbjahr sank die Zahl der Fahrgäste um 1,6 Prozent. Einer Studie von 2014 zufolge sind bis zu 44 Prozent der Fernbuskunden zuvor mit der Bahn gefahren.

Grube hatte dem Aufsichtsrat am Montag einen Sechs-Punkte-Plan zum Umbau des Konzerns vorgelegt, um auf die Schwierigkeiten in mehreren Geschäftsfeldern zu reagieren. Dazu gehört, dass die Zahl der Vorstandsmitglieder von acht auf sechs verringert wird. Allein in ihrer Zentrale will die Bahn außerdem bis zum Jahr 2020 rund 700 Millionen Euro einsparen.