Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, plant laut einem Zeitungsbericht, Teile des Staatskonzerns zu privatisieren. Konkret gehe es um Anteile der Konzerntöchter Schenker und Arriva, berichtet Die Welt online. "In Betracht käme ein Verkauf von zehn oder zwanzig Prozent an Arriva oder Schenker", zitierte die Zeitung aus Bahnkreisen. "Wir behalten die Kontrolle, bekommen aber das dringend nötige frische Kapital." Entsprechende Pläne gingen aus der neuen Konzernstruktur der Bahn hervor, die diese Woche in groben Umrissen an die Mitglieder des Aufsichtsrates verschickt worden seien. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Die neue Struktur sieht vor, dass die Konzerntöchter Arriva, also das Auslandsgeschäft im Personenverkehr, sowie Schenker Logistics dem Finanzvorstand Richard Lutz unterstellt werden. "Man tut das, weil es für eine Privatisierung sinnvoll ist, wenn der Finanzvorstand für diese Gesellschaften die Verantwortung hat", zitierte Die Welt ein namentlich nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied.

Der Hessische Rundfunk berichtete unter Berufung auf ein ebenfalls namentlich nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied, ein Verkauf von Schenker sei nicht beabsichtigt. Zwar plane Grube angesichts schlechter Geschäftszahlen einen Befreiungsschlag. Schenker solle trotzdem nicht privatisiert werden, weil der Bereich als einziger in der DB zuverlässig hohe Gewinne erwirtschafte.

Im März hatte Grube gesagt, eine Teilprivatisierung der Bahn stehe momentan nicht zur Debatte. Dies gelte auch für eine Privatisierung des gesamten Unternehmens. Die Bahn ist zwar eine Aktiengesellschaft, aber vollständig im Besitz des Bundes, der jahrelang einen Börsengang vorangetrieben hatte. Dieses Vorhaben war jedoch 2009 gescheitert, unter anderem wegen Bedenken aus Politik und Öffentlichkeit, das steuerfinanzierte Bahnnetz könnte in private Hände fallen. Da das Gleisnetz weder von Schenker noch Arriva getragen wird, bliebe es von den Umstrukturierungsplänen unberührt.