Die Deutsche Bahn steht vor einem umfassenden Umbau des Vorstands. Technikchefin Heike Hanagarth, die einzige Frau im Vorstand, verlässt den Konzern Ende Juli, teilte die Bahn mit. Drei weitere Vorstände sollen ebenfalls ausscheiden, berichten die Deutsche Presse-Agentur und Reuters unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla ersetzt demnach im August Gerd Becht als Vorstand für die Einhaltung von Gesetzen, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit.

Pofalla ist seit Jahresbeginn Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen. Der Konzern hatte bereits im Juni 2014 mitgeteilt, dass Pofalla in den Konzernvorstand berufen werden solle. Der Zeitpunkt dafür wurde offengelassen. Pofallas Beförderung zum August wollte die Bahn zunächst nicht bestätigen.  

Für Ulrich Homburg, zuständig für den Personenverkehr, rücke der bisherige Chef der Tochtergesellschaft DB Fernverkehr, Berthold Huber, auf. Der Vorstand Transport und Logistik, Karl-Friedrich Rausch, werde in den Ruhestand gehen, hieß es. 

Hintergrund der Umstrukturierung sind Pläne von Bahnchef Rüdiger Grube, den Vorstand von acht auf sechs Mitglieder zu verkleinern. Das Unternehmen hofft damit beweglicher zu werden und schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können.  Bereits im März hatte Grube angekündigt, er wolle in der Konzernleitung in den kommenden fünf Jahren 610 Millionen Euro einsparen. Ende Juni wurde nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt, der Bahnchef wolle "neue Wege gehen", um im Wettbewerb zu bestehen. Das schließe "Veränderungen in der Wertschöpfungstiefe, die Neudefinition des Kerngeschäfts und Veränderungen im Portfolio des Konzerns mit ein", hieß es in einer Vorlage für das Gremium.

Dem Vorstand war vorgeworfen worden, die Konkurrenz der Fernbusse unterschätzt zu haben. Auch die Güterbahn kommt seit Jahren nicht aus der Krise. Im Unternehmen gehen daher viele davon aus, dass auch deren Chef Alexander Hedderich gehen muss. Er war jedoch kein Mitglied im Konzernvorstand.

Die Bahn hat mehrere Jahre in Folge ihre Planziele verfehlt und kann ihre Investitionen aus eigener Kraft nicht mehr bezahlen. Stattdessen steigt die Verschuldung in Richtung einer Rekordhöhe von 20 Milliarden Euro. Dies setzte auch Vorstandschef Rüdiger Grube unter Druck.