Die Gläubiger der insolventen Windenergie-Firma Prokon wollen das Unternehmen nicht verkaufen. Es soll als Genossenschaft fortgeführt werden. Auf einer Versammlung in Hamburg stimmten rund 80 Prozent der Gläubiger für dieses Modell, teilte der Insolvenzverwalter mit. "Die klare Entscheidung ist ein positives Signal und wird den Neustart von Prokon erleichtern." Falls keine Einsprüche eingehen, werde der beschlossene Insolvenzplan in zwei Wochen rechtskräftig und das Insolvenzverfahren zum 31. Juli oder August aufgehoben.

Der Energieversorger EnBW hatte 550 Millionen Euro für Prokon geboten und sich über viele Wochen intensiv um die Zustimmung der Anleger bemüht. Zeitweise hatten der Konzern und die Interessengemeinschaft Die Freunde von Prokon einen regelrechten Wahlkampf um die Zustimmung der Anleger geführt, mit Zeitungsanzeigen und Informationsveranstaltungen. Der Verein Die Freunde von Prokon mit mehr als 10.000 Mitgliedern, setzt sich für eine ökologische Energiewende ein und will diese mit Bürgerbeteiligung gestalten.

Auf der Gläubigerversammlung waren 2.144 stimmberechtigte Beteiligte anwesend, die insgesamt mehr als 40.000 Gläubiger vertraten. Die Insolvenzquote steht noch nicht fest, sie wird vom Insolvenzverwalter auf der Grundlage von Prognosen mit 57,8 Prozent angenommen. Das bedeutet, dass mehr als 40 Prozent des Anlagekapitals und anderer Forderungen verloren sind.

Über Prokon war 2014 wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das Unternehmen hatte sich mit hochverzinslichen Genussscheinen von rund 75.000 Anlegern finanziert und konnte die Papiere nicht mehr zurücknehmen. Gründer Carsten Rodbertus musste das Unternehmen nach Konflikten mit dem Insolvenzverwalter verlassen. Gegen Rodbertus ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Viele, vor allem der Verein Freunde von Prokon, lasten ihm Missmanagement an. 

Da das Unternehmen fortgeführt werden soll, bleiben die Arbeitsplätze vorerst erhalten. Der Insolvenzverwalter wird die Genossenschaft gründen, übrige Unternehmensteile veräußern und das Insolvenzverfahren abschließen.