Das Gebäudetechnikunternehmen Imtech Deutschland hat einen Insolvenzantrag gestellt. Wie der niederländische Mutterkonzern mitteilte, beziehe sich der Antrag ausschließlich auf die deutsche Imtech. Das Unternehmen werde die Situation nun evaluieren und sich alle Optionen offenlassen. Über die weiteren Entwicklungen werde man so bald wie möglich informieren, hieß es bei der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gouda. 

Deutschland-Chef Felix Colsman habe "im Lichte dieser Entwicklungen und der möglichen daraus entstehenden Konflikte" seinen Rückzug aus dem Konzernvorstand beschlossen, in Deutschland solle er aber weiter die Führung innehaben. Die Berliner Flughafen-Gesellschaft teilte mit, man habe sofort begonnen zu untersuchen, ob der Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren von Imtech Deutschland Auswirkungen auf die Baustelle in Schönefeld haben könne.

"In einem Telefongespräch sicherte Felix Colsman der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH maximale Unterstützung bei der Weiterführung der Imtech-Arbeiten zu", hieß es. Das Unternehmen ist bei dem mehrfach verzögerten Großprojekt für wichtige Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig und wurde dabei bereits scharf kritisiert.

Nach Angaben des Handelsblatts hatte sich die Insolvenz bereits angedeutet. Schon im Juli habe Imtech die Gehälter verspätet ausgezahlt, am Mittwoch sei die Aktie um 29 Prozent gefallen. Nun sei ein Dominoeffekt wahrscheinlich, da der Mutterkonzern eine Patronatserklärung für seine deutsche Tochter unterschrieben habe und sich nun alle Gläubiger direkt an die Zentrale in den Niederlanden wenden könnten.

Schon in der vergangenen Woche habe die Muttergesellschaft angegeben, dringend 150 Millionen Euro zu benötigen. Dies sei jedoch von den Banken abgelehnt worden, da Imtech in Deutschland in den letzten zwei Jahren 290 Millionen Euro Verluste geschrieben hatte.

Kriminelles Geschäftsmodell

Imtech ist unter anderem am Bau des neuen Berliner Flughafens BER beteiligt. Der Konzern steht schon seit Langem in der Kritik, unter anderem im Zusammenhang mit den Bauverzögerungen auf der Flughafen-Baustelle. Aktiv war die Firma dort zum Beispiel bei der Entrauchungsanlage und der Verlegung von Millionen Elektrokabeln – beides Bereiche, die auf dem BER-Gelände dramatische Probleme machen.

Erst vor zwei Wochen hatte die ZEIT umfassend über das kriminelle Geschäftsmodell des Konzerns berichtet. Den Recherchen zufolge nutzte Imtech die Verzögerungen auf der BER-Baustelle systematisch aus und erzielte mit dem Stillstand Millioneneinnahmen. Derzeit ermitteln gleich drei Staatsanwälte gegen ehemalige Imtech-Manager wegen unterschiedlicher Delikte. Dem Unternehmen werden Verdacht auf Untreue, Bestechung, Preisabsprachen und Bilanzfälschungen vorgeworfen.