Die US-Börsenaufsicht SEC will börsennotierten Unternehmen vorschreiben, ihre sogenannte Pay Ratio offenzulegen, also das Verhältnis zwischen der Bezahlung des Vorstandsvorsitzenden und des Durchschnittsangestellten. Gehaltsunterschiede sollen konkret in den Finanzberichten sichtbar werden. Nach jahrelangen Diskussionen stimmte die SEC mit knapper Mehrheit von drei zu zwei Stimmen für eine entsprechende Regel.

In den USA bekommen Spitzenmanager im Schnitt häufig mehrere Hundert Prozent mehr Lohn als reguläre Angestellte. Eine Studie aus dem Jahr 2013 ermittelte, dass große Unternehmen ihren Firmenchefs im Schnitt 296 mal so viel bezahlten wie der Basisbelegschaft. Bisher sind nur die Gehälter der Chefs öffentlich. Was dagegen ein gewöhnlicher Angestellter verdient, geben die meisten Unternehmen nicht preis. Die Firmen sollen voraussichtlich ab 2017 das Verhältnis der Vergütung des Vorstandschefs zum Mittelwert der restlichen Mitarbeiter angeben.

Die Vorschrift war Bestandteil der sogenannten Dodd-Frank-Reform, mit der die Finanzwelt in den Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 sicherer gemacht werden sollte. Die Regel ist in den USA umstritten, vor allem Vertreter der Republikaner und verschiedene Lobbygruppen der Unternehmen sind dagegen. Viele Demokraten hoffen jedoch, dass die Regelung Unternehmen unter Druck setzen wird, große Unterschiede abzubauen.

In den USA gehen die Einkommen im internationalen Vergleich relativ weit auseinander. Diese Tendenz hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Schon lange wird deshalb eine Debatte um soziale Ungleichheit geführt. Das Washingtoner Economic Policy Institute (EPI), das den Demokraten nahesteht, hat berechnet, dass 1960 die Chefs noch etwa 20 Mal so viel verdienten wie ihre mittleren Angestellten, im Jahr 2000 war es schon 384 Mal so viel, wobei diese Tendenz in den letzten Jahren leicht rückläufig war. 

Es wird erwartet, dass viele Unternehmen gegen diese Regel vor Gericht ziehen.