Die EU-Kommission und die US-Umweltbehörde (EPA) wollen neue Emissionstests für Autos einführen, die die Abgase der Fahrzeuge unter realistischen Bedingungen messen. Damit reagieren die Behörden auf den systematischen Betrug bei den Kontrollen von Volkswagen. Die EU hat Emissionstests entwickelt, die Autos im Straßenverkehr statt auf dem Prüfstand testen. Sie sollen ab Januar eingeführt werden. Für die Umsetzung seien jedoch die Mitgliedsstaaten zuständig, die EU gebe nur den regulatorischen Rahmen vor, sagte eine Sprecherin der Kommission. 

Die Kommission arbeitete bereits vor Bekanntwerden des Betrugs bei VW an Testverfahren, die den tatsächlichen Ausstoß von Schadstoffen messen soll. In der zuständigen Arbeitsgruppe RDE (Real Driving Emissions) wird bereits seit einem Jahr verhandelt, wann welche realen Abgas-Mindestziele erreicht werden müssen, und zwar gemessen mit sogenannten transportablen Emissionsmesssystemen, kurz PEMS. Bisher hatte sich die Kommission – zur Freude des europäischen Autobauerverbandes ACEA – jedoch nicht auf ein Datum für die Einführung der neuen Messverfahren festgelegt.

Die US-Umweltbehörde EPA wies in einem Schreiben an die Hersteller darauf hin, dass sie zusätzliche Prüfungen verlangen könne. Darin solle getestet werden, ob die Abgasnormen unter normalen Fahrbedingungen auf der Straße erfüllt werden. "Wir werden ihnen nicht erzählen, was für Tests dies sind. Das brauchen sie nicht zu wissen", sagte ein Vertreter der EPA.  

Vor einer Woche hatte die EPA bekanntgegeben, dass VW in Diesel-Modellen eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verbaut habe. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft und reguliert dann den Motor so, dass Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40 Mal höher als vorgegeben.

VW gibt Details zu manipulierten Modellen bekannt

Von den Manipulationen sind nach Angaben von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mindestens 2,8 Millionen Fahrzeuge des Konzerns in Deutschland betroffen – darunter sowohl Pkw als auch leichte Nutzfahrzeuge. Laut Volkswagen sind weltweit rund elf Millionen Autos mit der manipulativen Software ausgestattet.

Nach aktueller Kenntnis seien in Deutschland Fahrzeuge der 1,6- und 2-Liter-Diesel-Klasse betroffen, sagte Dobrindt. Eine genaue Liste der fraglichen Automodelle gibt es bislang nicht. Den VW-Kunden sicherte Dobrindt vollste Wahrung ihrer Interessen zu.

Die Kernmarke VW teilte am späten Freitagabend mit, dass aus ihrem Programm weltweit fünf der elf Millionen Autos stammen. Demnach sind Fahrzeugmodelle aus mehreren Baujahren betroffen, etwa der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und die erste Generation des Tiguan. Weitere Angaben machte VW nicht. Unabhängig davon seien alle Neuwagen, die über die Euro-6-Norm verfügen, nicht von den Manipulationen betroffen. Dazu gehörten etwa der aktuelle Golf, Passat und Touran. An einer technischen Lösung werde mit Hochdruck gearbeitet, sagte Markenchef Herbert Diess.

Die SPD-Bundestagsfraktion forderte die kostenlose Umrüstung der manipulierten Autos. Die Verkehrsminister von Frankreich, Italien und Großbritannien kündigten bereits an, die Emissionen von Diesel-Fahrzeugen auch anderer Hersteller erneut zu überprüfen. Auch die EPA untersuchte bereits Diesel-Motoren anderer Marken. Die Schweiz verbot in Folge der Enthüllungen zunächst den Verkauf verdächtiger VW-Modelle.