Der Softwarekonzern Microsoft muss sich einer Sammelklage wegen angeblicher Benachteiligung seiner Mitarbeiterinnen stellen. Eine frühere Angestellte des Konzerns reichte die Klage in Seattle ein. Sie wirft Microsoft vor, bei Beförderungen übergangen worden zu sein und regelmäßig schlechtere Beurteilungen als ihre männlichen Kollegen erhalten zu haben. Es war offenbar die erste Klage dieser Art gegen den US-Konzern. Wie teuer die Klage das Unternehmen kommen könnte, war nicht klar. Microsoft hat 117.000 Mitarbeiter.

Laut einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) hatte sie von 2007 bis 2014 in leitender Rolle bei Microsoft in den USA gearbeitet. Demnach klagt die IT-Ingenieurin unter anderem dagegen, dass sie von einem männlichen Chef schlechte Noten bekommen habe, nachdem sie diesen der sexuellen Belästigung in mehreren Fällen beschuldigt hatte.

Sollte sie Erfolg haben, könnte sie allen seit dem 16. September 2009 von Microsoft beschäftigten Mitarbeiterinnen Ansprüche verschaffen. "Wir haben bereits zuvor Anschuldigungen der Klägerin erhalten und diese als haltlos eingestuft", sagte ein Microsoft-Sprecher dem WSJ. "Wir werden diese neuen Vorwürfe gründlich untersuchen. Wir fühlen uns einer heterogenen Mitarbeiterschaft verpflichtet und engagieren uns für einen Arbeitsplatz, an dem alle Angestellten die Chance auf Erfolg haben."

Microsoft-Chef Satya Nadella war im vergangenen Jahr heftig kritisiert worden, als er sagte, Frauen in der Technologiebranche sollten nicht nach Gehaltserhöhungen fragen. Stattdessen sollten sie darauf vertrauen, dass sie gerecht entlohnt würden. Später entschuldigte er sich für die Äußerungen und erklärte, Microsoft bezahle seine männlichen und weiblichen Mitarbeiter gleich.

Der Umgang mit weiblichen Software-Ingenieuren sorgte in den letzten Jahren immer wieder für Kontroversen. Die großen IT-Unternehmen beschäftigen nur wenige Frauen in technischen Funktionen – Microsoft eingeschlossen.

Zuletzt hatte Ellen Pao gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber, die Risikokapitalfirma KPCB, wegen Sexismus geklagt. Sie konnte ihren Fall jedoch nicht beweisen und scheiterte vor Gericht. Auch gegen Facebook und Twitter gingen ehemalige Arbeitnehmerinnen wegen Diskriminierung vor.