Sein Abgang war unschön, aber unvermeidlich. Martin Winterkorn hat sich in jahrzehntelanger Arbeit im VW-Konzern große Verdienste erworben. Aber jetzt ist sein Rücktritt der größte Dienst, den er dem Konzern in der aktuellen Katastrophe noch leisten konnte.  

Es musste jemand gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Anlegern, Aufsichtsbehörden, Politik und Öffentlichkeit die Verantwortung übernehmen, selbst wenn er selbst in den Betrug um geschönte Abgaswerte in den USA nicht involviert war. Darunter ging es nicht. Dass der oberste Manager geht, ist das Symbol dafür, dass man in Wolfsburg den Ernst der Lage begriffen  hat.

Doch der Rücktritt kann nur der Anfang sein. Dass weitere Aufklärung und personelle Konsequenzen folgen müssen, ist selbstverständlich.

Wichtiger als der Name des Nachfolgers ist jetzt aber, dass die Aufseher des Konzerns an die Strukturen gehen – die organisatorischen und die kulturellen.

Winterkorn hat immer wieder betont, dass man Fehler nicht völlig vermeiden könne. Das Wichtigste sei aber, dass man erkannte Fehler nicht vertusche, sondern umgehend beseitige. Diese Philosophie konnte er aber offenkundig in dem Riesenkonzern Volkswagen nicht wirklich durchsetzen. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, dass eineinhalb Jahre lang das Abgasproblem in den USA schwelte und sich niemand traute, die wahre Ursache ganz nach oben durchzustecken.  

Angesichts der Dimension des Skandals müssen etliche Mitarbeiter in Amerika und Wolfsburg etwas gewusst oder zumindest geahnt haben. Ganz offenkundig jedoch war die streng hierarchische Entscheidungsstruktur im Konzern, die Winterkorn von seinem Vorgänger Ferdinand Piëch übernommen hatte, zu undurchlässig.

Es geht jetzt also nicht nur darum, die Macht im Unternehmen VW aufzuteilen und Entscheidungen durch eine weniger zentrale Organisation schneller und effizienter zu machen. Es muss eine Kultur entstehen, bei der auch der einfache Ingenieur oder Sachbearbeiter keine Beschädigung fürchten muss, wenn er Fehler oder gar kriminelles Handeln seiner Vorgesetzten ganz nach oben meldet – an der Hierarchie vorbei.

So ein Kulturwandel dauert lange. Doch nur wenn er jetzt angepackt wird, kann die mühsame Reparatur des schwer beschädigten Images nachhaltig sein.