Der Führungszirkel des VW-Aufsichtsrates hat seine Beratungen über die Manipulation von Abgaswerten in Millionen von Autos begonnen. Das Aufsichtsratspräsidium tage an einem unbekannten Ort in Wolfsburg, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Dazu gehören der Interimsvorsitzende des Präsidiums, Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Wolfgang Porsche als Vertreter der Großaktionäre sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf.

In dem Treffen soll Volkswagen-Chef Martin Winterkorn erklären, wie es zu dem Verstoß gegen die Abgas-Grenzwerte in den USA kommen konnte. Zuletzt waren immer wieder personelle Konsequenzen gefordert worden. Winterkorn lehnte jedoch einen Rücktritt ab und entschuldigte sich per Video. Sein Vertrag sollte nach einem Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums von Anfang September eigentlich am Freitag vorzeitig bis Ende 2018 verlängert werden.

Noch ist offen, ob Winterkorn persönlich für das Fehlverhalten verantwortlich ist, das voraussichtlich Milliarden an Kosten nach sich ziehen wird. Dem Konzern droht eine Geldstrafe bis zu 18 Milliarden Dollar allein für die etwa 500.000 betroffenen Modelle, die in den USA verkauft wurden. Weltweit sind in etwa elf Millionen Autos des Wolfsburger Unternehmens betroffen.   

Der Skandal in Deutschlands größtem Unternehmen hat Wirtschaft, Politik und die Öffentlichkeit schockiert. Seit Wochenbeginn büßte die VW-Aktie etwa 40 Prozent ihres Wertes ein. Der Absturz der VW-Aktie setzte sich am Mittwochmorgen zunächst fort. Nach Börsenstart in Frankfurt am Main verlor das Wertpapier zeitweise acht Prozent. Dann stabilisierte sich der Kurs allerdings. Auch der deutsche Leitindex Dax konnte dadurch die Verluste zunächst stoppen.

Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind unterdessen mehrere Strafanzeigen "aus der Bevölkerung" gegen Verantwortliche von VW eingegangen. In Betracht komme unter anderem Betrug zu Lasten von Autokäufern, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Die Anzeigen würden geprüft.