Die Geldwäsche-Affäre der Deutschen Bank in Russland zieht weitere Kreise. Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS), die in der Sache schon länger ermitteln, prüften nun auch, ob die Deutsche Bank in Russland gegen Sanktionen verstoßen hat. Das berichtete die Financial Times (FT) unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Personen.

Die Bank steht im Verdacht, Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht zu haben. Fraglich ist demnach unter anderem, ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hatte, um solche Sanktionsverstöße zu verhindern.

Der Fall sei "ein erhebliches, unkalkulierbares Risiko für die Deutsche Bank", sagte ein Börsenmakler. Schlimmstenfalls müsse die Bank erneut zu einer Kapitalerhöhung greifen. Die Aktie verlor am Morgen knapp zwei Prozent an Wert.

Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Im Halbjahresbericht hat der Konzern im Juli eingeräumt, dass interne Untersuchungen im Zusammenhang mit Aktiengeschäften in Moskau und London liefen. Es gehe um ein erhebliches Volumen. Zudem bestätigte die Bank, einige Mitarbeiter wegen der Ermittlungen suspendiert zu haben. Weitere personelle Konsequenzen schloss das Institut im Juli nicht aus.

Geschäfte im Wert von sechs Milliarden Dollar verdächtig

Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Mirror Trades, bei denen russische Kunden Wertpapiere im Moskauer Büro der Deutschen Bank gekauft und dann die identischen Papiere in Fremdwährungen über die Londoner Niederlassung des Instituts verkauft haben sollen. Laut Finanzkreisen sind Geschäfte im Umfang von sechs Milliarden Dollar verdächtig – darunter auch Geschäfte für Vertraute des russischen Präsidenten.

Das Justizministerium in Washington und die New Yorker Finanzaufsicht DFS ermitteln, weil die Geschäfte auch in US-Dollar abgewickelt wurden. Zudem ist der inzwischen suspendierte Leiter des Moskauer Aktienhandels bei der Bank der FT zufolge US-Staatsbürger.

Zahlreiche Skandale haben in den vergangenen Jahren den Ruf der Bank beschädigt, dazu gehörten Zinsmanipulationen und fragwürdige Hypothekengeschäfte. Die Deutsche Bank musste Milliardenstrafen akzeptieren und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Bankchef John Cryan hatte die Rückstellungen für Rechtsrisiken zuletzt um weitere 1,2 Milliarden Euro erhöht.